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Photo Miami: Interview mit Stephen Cohen und Tim Fleming


AfN: Mein Name ist Sabine Rieck von Artfacts.Net. Gemeinsam mit Vernissage.tv unterhalten wir uns heute mit Tim Fleming, dem Direktor der Photo MIAMI und Stephen Cohen von Stephen Cohen Galleries, Stephen, ich würde Sie gerne fragen, wie sie zur Kunst gekommen sind, heute haben Sie eine Galerie, wie kam es dazu?

Stephen Cohen: Ich war ein Kunststudent am College und sogar ein Filmstudent an der Hochschule Ich begann damals sammelbare Arbeiten zu verkaufen, Kunstdrucke und kleine Fotografien und das wuchs und wuchs...und dann wollte ich eine Messe in Los Angeles organisieren, weil ich so viel durch das Land reiste und Fotografien verkaufte. So gründete ich eine Messe und gleich danach noch eine Galerie. Die Galerie lief wunderbar und die Messe und auch die Messe auf eine unglaubliche Weise, diesen Januar wird die photo La zum 16 Mal stattfinden, es ist die am längsten bestehende Messe in Los Angeles. Wir sind sehr stolz darauf, sie ist bereits ausverkauft und wir haben lange Wartelisten. Wir begannen dann einige andere Messen hinzuzufügen: photo Santa Fe bestand für sieben Jahre, dann photo San Francisco und schließlich Photo New York für drei Jahre. Ich wollte die Photo Miami nicht machen, aber dann gab es den 11. September und es war einfach nicht die Zeit dazu. Als ich dieses Jahr die Messe organisierte, wusste ich nicht, dass noch sechs andere Hotelmessen stattfinden würden. Daher gibt es eine große Konkurrenz, aber wollten etwas einzigartiges machen, etwas mit einer eigenen Identität und das haben wir geschafft. Sie ist sehr zeitgenössisch, sehr frisch. Eine Mischung zwischen neuen Medien und Video, und ich bin wirklich froh mit Tim zusammenarbeiten zu dürfen und eine exzellente Auswahl an Galerien aus 13 verschiedenen Ländern hier teilnehmen zu lassen. Die Leute sehen hier etwas, dass sie noch nie irgendwo gesehen haben.

AfN: Tim, das bringt mich zu ihnen. Was waren die Kriterien die 40 Galerien auszusuchen, die hier auf der Messe vertreten sind?

Tim Fleming: Das Kriterium war im Wesentlichen Qualität. Wir wollten hier nicht herkommen und auftreten als würden wir versuchen dieses Avantgarde Wochenende auszulaugen. Wir tun mehr, als nur ja oder nein zu den Galerien zu sagen. Wir sprachen mit den Galerien lange am Telefon, wir hatten eine gewisse Vorstellung darüber, was die Messe darstellen sollte und über Empfehlungen der Galerien und deren Anstrengungen für die Bewerbung, entwickelte sich das von selbst.

AfN: Wird es noch weitere Messen von Artfairs Inc. geben?

Stephen Cohen: Es gibt mittlerweile so viele Messen in der ganzen Welt und sie sind inzwischen alle so nah beieinander. Die Armory Show in New York hat einen hohen Status erlangt und es gibt drei andere Satelliten-Messen nur drei Wochen nach der Art LA, eine Messe die wir Ende Januar, eine Woche nach der photo LA organisieren. All diese Messen auf der ganzen Welt, und dann ist da noch die ARCO zwischendrin, so das es hart für die Händler ist all diese Messen mitzunehmen und Arbeiten für diese Messen zu bereitzuhalten. Wir werden also darüber nachdenken San Francisco und New York an einen anderen Zeitpunkt zu verschieben und auch die Art LA wird voraussichtlich an einem späteren Datum stattfinden. Wir nehmen uns ein wenig zurück, um uns darauf zu konzentrieren Erstere stärker und besser zu machen.
Photo Miami ist ein großer Erfolg, deswegen machen wir uns über den nächsten Dezember keine Gedanken. Die Photo LA ist ein großer Erfolg, es ist die größte Messe, vielleicht eine der größten, die Messe in New York...manchmal sind die anderen größer, manchmal sind wir größer, hinsichtlich der Besucherzahlen.
Art LA die in ihrem dritten Jahr ist, wird über die Jahre immer stärker und wir werden uns auf diese drei Messen konzentrieren. Vielleicht wird 2008 eine Messe hinzukommen. Wir wurden auch gefragt etwas in Europa zu tun... wir behalten das im Hinterkopf. Zuerst einmal wollen wir aber die Qualität dieser Messe und der Photo LA beibehalten.

Tim Fleming: Ich denke der Hauptunterschied an dieser Messe ist, dass wenn die Käufer herumgehen und die Fragen, die sie den Galeristen stellen sind sehr unterschiedlich. Die Messe ist zuerst einmal eine zeitgenössische Messe, es ist keine strikte Fotomesse. Ich denke an Fragen wie, was ist das für Papier auf das es gedruckt wurde, welche Edition ist das?

Tim Fleming: Es geht vielmehr um die Idee, den konzeptuellen Prozess. Die Galerien sind nicht nur Fotogalerien, es sind Galerien aus einem internationalen Spektrum. Sie haben ein stark auf Medien basierendes Programm. Es gibt Video, einige Tonarbeiten, interaktive Arbeiten...Es gibt viel Fotografie hier, mehr al ich erwartet habe. Ich denke nächstes Jahr wird es noch mehr medienbezogen sein.

AfN: Eine Frage an sie beide: Wissen sie, warum zeitgenössische Fotografie heutzutage so wichtig ist?

Stephen Cohen: Nun, Fotografie und Video ist nur ein anderes Werkzeug für Künstler, so wie zu anderen Zeiten Malerei, Stein, Tinte oder Drucke. Immer, wenn eine andere Technologie hinzukommt, gibt es eine Periode in der die Leute damit herumspielen, nur um das Medium zu testen.
Aber momentan, Video, Ton und Musik ist ein großer Teil unserer Kultur, ich denke man kann es nicht einmal von der Politik, der Gesellschaft, der Ökonomie trennen. Was an Künstlern, die sich solchen Dingen widmen, so großartig ist, ist, dass sie die Leute dazu bringen, etwas in einer anderen Weise zu sehen.

AfN: Ja ich denke das ist eine große Herausforderung in unserer Zeit, in der wir mit Bildern so überflutet werden.

Stephen Cohen: …wenn es gut ist, ist es gut. Es spielt keine Rolle ob es ein Tintendruck ist, oder eine Fotokopie oder sonst etwas. So wie David Hockney eine ganze Serie von Bilder herstellte und diese dann an seine Galerie in London faxte und diese setzten das Mosaik von Faxen wieder zusammen. Er versah jede Kopie mit einem originalen Kunstwerk. Das war nichts neues, aber es ist die Frage nach guter Kunst, und hier ist es gut, sehr innovativ und faszinierend.

Tim Fleming: Ich denke die Fotografie hat so lange versucht, sich zu etablieren, und dies geschah und bewegte sich weiter. Wir werden oft gefragt, warum wir Fotografie absondern. Wir sehen es aber nicht auf diese Weise, wir sehen es schlicht und einfach als eine Konzentration auf medienbezogene Arbeiten in einer gewissen Vielfalt und die Ideen und Prozesse sind herrlich zu beobachten.

Stephen Cohen: Wir repräsentieren zum Beispiel einen Künstler aus dem späten 20. Jahrhundert, einem anonymen Künstler, es ist zeitgenössische Kunst. Der Künstler arbeitet jetzt, aber die Arbeiten sind so gemacht, als wären sie aus dem 19. Jahrhundert und der Künstler hat sich dazu entschieden anonym zu arbeiten. Fotomechanische Techniken zusammen mit Ölfarbe und Collagen wurden dazu benutzt es so echt und einzigartig aussehen zu lassen. Man kann sie Ölgemälde nennen aber sie sind es nicht. Es sind einige fotografische Bilder darin enthalten. Und das ist es, was wir wollen. Die Leute so weit zu bringen, dass Fotografie enthalten ist, aber man nicht mehr an Fotografie denkt.

Tim Fleming: My short phrase what I call the fair is: it is a fair about late in time and Stephen agrees with that.

Tim Fleming: Meine kurze Phrase wie ich diese Messe bezeichne: Es ist eine Messe über das Licht in der Zeit und Stephen stimmt damit überein.

AfN: Was sind ihre Kriterien dafür ob es ein gutes Kunstwerk ist? Egal ob es nun Fotografie oder ein anderes Kunstwerk ist...

Stephen Cohen: An einem gewissen Punkt ist es objektiv, aber wenn genug Leute ihre objektiven Gefühle äußern und fünf von sechs sagen: "oh, diese Arbeit ist gut", dann beginne ich die Arbeit emotional zu sehen. Wenn mich etwas trifft, trifft es mich. Ich muss nicht notwendigerweise die Idee dahinter wissen. Ich weiß nicht wer das einmal gesagt hat, irgendeine Berühmtheit: "Wenn du etwas absolut nicht magst, musst du herausfinden, warum du es nicht magst und man muss sich selbst herausfordern." Und manchmal mag ich es dann wirklich nicht, aber immerhin gehe ich über den ersten Eindruck hinweg. Und manchmal sind man den Körper des Werkes und das Werk wächst damit. Was an einer Messe wie dieser so großartig ist, ist, dass man hier Galerien aus 13 Ländern an einem Ort sehen kann und vielleicht etwas kauft. Wir wollen die Galerien, die viel Zeit und Geld investiert haben um hier herzukommen, glücklich machen und natürlich auch die Künstler.

AfN: Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Sabine Rieck


Diese Interview können sie sich auf vernissage.tv auch als Video ansehen.

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