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Art Basel Miami Beach: Interview mit Adriana Varejão


AFN: Das ist Artfacts.Net, Sabine Rieck. Ich bin hier auf der Art Basel Miami Beach 2006, auf dem Messestand von Lehmann Maupin, New York. Ich befinde mich im sehr schön gekachelten Teil des Standes, in der Soloshow von Adriana Varejão.
Adriana, hallo.

Adriana Varejão Hallo.

AFN: In Ihrer Arbeit scheinen Kacheln eine sehr große Rolle zu spielen. Würden Sie uns Ihr spezielles Interesse daran erklären?

Adriana Varejão Kacheln können als Stütze für die Geometrie der Welt verstanden werden. Je nach Perspektive ist es möglich, sie auf verschiedene Art wahrzunehmen. Da alle Bilder figurativ sind, habe ich dieses Thema gewählt. Ich habe mich für Schwimmbäder entschieden, um mich mit der Geometrie der damit verbundenen Kacheln zu beschäftigen - und mit Wasser. In erster Linie arbeite ich nicht mit Kacheln, es ist eher das Trompe l'oeil, die Täuschung, die mich interessiert. Im Wesentlichen geht es um Geometrie.

AFN: In früheren Arbeiten gab es Kacheln mit Einschnitten und dahinter: Fleisch. Deshalb hatte ich den Eindruck, das Thema "Körper" sei sehr wichtig für Sie. Stimmt das? Können Sie uns mehr darüber sagen?

Adriana Varejão Kacheln sind ein Medium oder eine Metapher für verschiedene Dinge. Ich benutze Kacheln als Hilfsmittel zum kulturellen Austausch. Wenn ich mich für ein portugiesisches Thema entscheide, benutze ich Kacheln aus der barocken Periode. Aber jetzt haben sich die Kacheln vollständig in Geometrie verwandelt.

AFN: Also müssen wir nicht mehr über das Fleisch hinter den Kacheln nachdenken?

Adriana Varejão Ich weiß nicht, Sie können denken, was immer Sie wollen. Ich glaube, dass dieses Ambiente in gewisser Weise sehr mysteriös ist. Das Wasser bewegt sich, also wissen Sie, das eine Bewegung vorhanden ist. Die Bilder implizieren etwas wie ein Labyrinth. Darin ist Einsamkeit enthalten. Sie können ziemlich unheimlich sein, und ich glaube, sie erzeugen auch eine erotische Atmosphäre. Weil es eine Präsenz des Körpers gibt, der nicht vorhanden ist, es aber einen Raum gibt, wo der Körper sein sollte. Es gibt einen virtuellen Körper.

AFN: Ich finde es sehr interessant, dass Sie in Ihren früheren Werken den Körper, das Fleisch integriert haben, und heute kann man das nicht mehr so direkt wie früher erkennen. Aber es existiert im Raum, weil sich das Wasser bewegt und man nicht weiß, ob sich Leute im anderen Teil des Pools aufhalten. Als ich die Soloshow hier zuerst sah, hatte ich ein starkes Gefühl von spannungsgeladener Atmosphäre. Ich hörte einen anderen Besucher sagen, die Arbeiten seien sehr positiv, aber ich glaube, das Thema "Spannung" ist viel stärker.

Adriana Varejão Viele habe ich in Budapest gemacht, wo ich eine ganze Reihe öffentliche Bäder besucht habe, die einfach fantastisch sind. Also habe ich viele dieser Bilder dort gemacht und auch in Japan.

AFN: Und die Titel der Bilder?

Adriana Varejão Das habe ich am Anfang dieser Serie entschieden. Zuerst habe ich an etwas wie "Virtual Ambience"... gedacht, aber dieser Titel strahlt eine große Kälte aus. Also habe ich angefangen, mit Titeln zu arbeiten, die verschiedene Charaktere repräsentieren, wie "The Obsessive", "The Sedative", "The Pervert"... Auf diese Weise klingt es erotischer. Wie schon gesagt: Da ist jemand, den man nicht sieht, der aber da ist.

AFN: Das ist interessant, weil normalerweise, wenn man an Kacheln denkt, stellt man sich eine sehr klinische Umgebung vor, aber hier verweisen sie auf viel mehr.
Ich würde gerne wissen, wie Sie Ihr Werk im Hinblick auf die Kunstgeschichte sehen, im Vergleich zu anderen Künstlern.

Adriana Varejão Ich bin Malerin, Ich habe viel Fleisch gemalt. Es gibt eine Tradition von Künstlern, die gerne Fleisch malen. Das fing mit Goya an und so weiter. Im Spanischen nennt man das "pintura de bodegón". Da gibt es Wild und andere Sachen, die sie gemalt haben. Es wirkt sehr plastisch.

Also, an einem bestimmten Punkt gehöre ich zu dieser sehr alten Tradition in der Kunst. Aber meine Kunst will auch Parodie sein, die Geschichte kritisieren. Zum Beispiel benutze ich die Kunstgeschichte Brasiliens: ich zitiere die gleichen alten Maler, aber um andere Geschichten zu erzählen, ich vermische die Elemente und schaffe Fiktionen. Meine früheren Arbeiten aus der Zeit vor vielleicht 12 Jahren haben sich damit beschäftigt, aber die Arbeiten hier sind weniger politisch.

AFN: Vielen Dank für das Interview.

Adriana Varejão Danke. Es war mir ein Vergnügen.

Interview: Sabine Rieck
Übersetzung: Senta Ofenmacher

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