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Interview mit Hans Neuendorf und Thomas Eller


Von links nach rechts: Thomas Eller, Hans Neuendorf und Marek Claassen

AfN: Wir befinden uns in der Zentrale von Artnet.com in Berlin. Das ist ein Interview zwischen Artfacts.Net, Vernissage.tv und Hans Neuendorf, Gründer von Artnet.com und Thomas Eller, Redakteur von Artnet Deutschland. Hallo Herr Neuendorf, hallo Herr Eller.

Herrn Neuendorf wurde kürzlich die Ehrenmedaille des National Arts Club in New York verliehen und Artnet.com hat gerade eine exklusive Zusammenarbeit mit der Art Basel bekannt gegeben. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, Herrn Neuendorf zu diesen Leistungen zu gratulieren und über die Karrieren von Hans Neuendorf und Thomas Eller zu sprechen, über Online-Service, Auktionshäuser, Galerien, Kunstmessen und über die derzeitige Entwicklung in der zeitgenössischen Kunstwelt.

Wir wollen mit Ihnen beginnen, Herr Neuendorf: Man sagt, dass Sie einer der ersten waren, der als Galerist American Pop Art nach Deutschland importiert hat, dass Sie Mitbegründer der ersten Kunstmesse der Welt waren und der erste, der ein Datenbanksystem mit Bildern online veröffentlicht hat. Können Sie uns sagen, was Sie motiviert, Wegbereiter zu sein? Und woher nehmen Sie diese Kreativität?

Hans Neuendorf: Als Kunsthändler war ich sehr frustriert, über viele Jahre mit den Unzulänglichkeiten des Kunstmarktes konfrontiert zu sein. Es gab keine Preistransparenz; Kunden wussten nicht, was sie zahlen sollten. War der Preis zu hoch? War er zu niedrig? Jeder benutzte alte Auktionskataloge und deren Ergebnisse, und manchmal bewahrten wir große Bibliotheken davon auf, um Preise herauszufinden. Aber sie sind nicht alphabetisch geordnet, also haben wir einfach einen alphabetischen Online-Service für Preise von Kunstwerken eingeführt.

AfN: Damals war es auch völlig neu, Kunst auf der Plattform einer Kunstmesse zu verkaufen. Hatte das ebenfalls mit Transparenz zu tun?

Hans Neuendorf: Ja, es war das erste Mal, dass Kunden, Sammler tatsächlich einen Überblick hatten, was auf dem Markt angeboten wurde.

AfN: Und das ist, bis heute, der wichtigste Ort für Galerien, Kunst zu verkaufen, nicht wahr?

Hans Neuendorf: Definitiv. Kunstmessen haben sich über die ganze Welt verbreitet, und Artnet - wenn Sie so wollen - ist eine internationale Online-Kunstmesse, insoweit es einen Überblick über den Kunstmarkt und Galerien bietet. Wir haben hier über 1.500 Galerien. Ich glaube, das sind fünfmal so viele wie auf der Art Basel.

AfN: Weil wir gerade von Artnet sprechen, was ist Ihre Rolle bei Artnet.com, sind Sie immer noch im Tagesgeschäft aktiv?

Hans Neuendorf: Ja, das bin ich. Ich bin Vorstand von Artnet.com. Die eine Hälfte der Zeit lebe ich in New York, die andere Hälfte in Berlin und ich halte das Geschäft auf dem Laufenden. Alle leitenden Mitarbeiter berichten an mich.

AfN: Also liegt die Leitung nach wie vor in Ihren Händen.

Herr Eller, sie waren als Künstler erfolgreich. Ich werde nie die kleinen, auf Karton montierten Selbstportraits vergessen, die meine Freunde gesammelt haben, oder diese auf Aluminium montierten Fotografien von riesigen Flaschen in Bewegung. Wie kommt es, dass Sie einen großen Teil Ihrer Lebenszeit Artnet.com gewidmet haben?

Thomas Eller: Als ich Hans Neuendorf zum ersten Mal in New York traf, wo ich acht Jahre gelebt habe, und er mir anbot, Artnet nach Deutschland zu bringen, habe ich das als große Herausforderung verstanden, insbesondere, weil sich während der letzten zehn, 15 Jahre, in denen ich als Künstler aktiv war, alle Regeln in der Kunstwelt sehr verändert hatten. Und ich hatte Gründe, das zu erweitern, was ich bereits tat - in der Hauptsache, über Kunst nachzudenken und herauszufinden, warum Kunst sich so vermehrt hatte und welche unterschiedlichen Dinge es zu der Zeit auf dem Kunstmarkt gab. In gewisser Weise teilen wir alle das gleiche Problem: Der Markt ist in einem Umfang gewachsen, so dass man wirklich nicht weiß, wie man ihn einschätzen soll, hauptsächlich hinsichtlich der Preistransparenz, aber auch unter einem kritischen Gesichtspunkt. Kunstkritik existierte praktisch nicht mehr, und ich glaube, ich hatte einige sehr gute Vorschläge, wie man ein Magazin leiten und neue Parameter gestalten könnte, um den kritischen Aspekt von Kunst viel besser zu verstehen. Für mich war es daher eine große Herausforderung und ich freute mich auch, nach Berlin zurückzukommen. Es ist eine tolle Stadt. Nach acht Jahren New York - eine Stadt, die sich ausschließlich mit den Marktkomponenten von Kunst befasst - habe ich in Berlin viel mehr Kreativität gesehen, deshalb bin ich gerne hier, um in diesem Umfeld zu leben.

AfN: Sie haben gerade einen Preis erhalten - den "Käthe Kollwitz Preis". Hat Ihre Künstlerkarriere gelitten? Haben Sie es genauso gemacht wie Hans, der die Galerie geschlossen und sein Leben Arnet.com gewidmet hat? Ist es Ihnen als Künstler genauso ergangen oder arbeiten Sie weiter?



Das Artnet Büro in Berlin

Thomas Eller: Das ist schon komisch. Wissen Sie, ich arbeite hier mehr als Vollzeit. Das ist wirklich kein Job, den man nebenbei macht.

Hans Neuendorf: Er ist Vollzeit-Künstler und Vollzeit-Dienstleister!

Thomas Eller: Es ist merkwürdig genug, dass sich in dem Moment, als ich hier aufgetaucht bin, Leute erinnert haben und mich in einige Dinge einbezogen haben, und - natürlich ist es großartig, einen Preis zu bekommen und ich würde so etwas nicht zurückweisen. Aber, ich bin voller Energie und ich will ein paar Sachen verändern.

AfN: Da wir gerade von Veränderungen sprechen: Seit den Siebziger Jahren haben die Auktionshäuser aggressiv in das Kerngeschäft der Galerien expandiert: das heißt, direkt an den Sammler zeitgenössischer Kunst zu verkaufen. Sotheby's und Christie's kontrollieren buchstäblich den Kunstmarkt. Herr Neuendorf, Sie sind Galerist gewesen und Ihre derzeitige Haupteinnahmequelle ist, die Bedürfnisse von Galerien online zu erfüllen. Was glauben Sie, wird es zwischen den Galerien, die sich auf Mega-Messe-Events präsentieren und den Auktionshäusern, die sich mehr und mehr im Bereich der zeitgenössischen Kunst engagieren, zum Showdown kommen?

Hans Neuendorf: Also, das ist keine Projektion in die Zukunft. Wenn es einen Showdown geben sollte, ist er bereits Realität. Aber ich möchte dazu sagen, dass die großen Auktionshäuser weit davon entfernt sind, den Kunstmarkt zu kontrollieren. Sie kontrollieren 15 Prozent. Die Galerien und das Gesamtvolumen ergeben eine viel größere Marktkomponente. Außerdem, haben die Galerien das Wissen. Galerien formen die Verbindung zwischen Sammler und Künstler, und deshalb sind Galerien die wichtigsten Akteure in der Welt der Kunst. Allerdings brauchen wir auch die Auktionen, denn es gibt keinen anderen Mechanismus, der so erfolgreich den Wert eines Kunstwerkes ermitteln kann, wie ein freies Bieterverfahren auf einer Auktion.

AfN: ...und es ist transparent...

Hans Neuendorf: Genau, und das ist die Basis unserer Datenbank, denn nur Autionspreise werden bekannt und wir veröffentlichen sie. Insoweit kennt jeder den Wert.

AfN: Wo bleibt der Showdown, hört sich mehr nach Händeschütteln an.




Hans Neuendorf


Hans Neuendorf: Absolut. Sie profitieren voneinander. Sie arbeiten zusammen und es ist eine sehr schöne Zusammenarbeit. Wir brauchen beide Elemente im Markt.

AfN: Herr Eller, sie sind ein erfahrener Künstler, und Herr Neuendorf, Sie als erfahrener Galerist repräsentieren den ersten Markt. Sie beide repräsentieren ein Online-Netzwerk, dessen Thema Transparenz ist. Können Sie uns erklären, was Transparenz für Sie beide bedeutet? Und warum hilft Transparenz den Galerien?

Hans Neuendorf: Also, erstens ist Transparenz nicht unser einziges Ziel. Was wir anstreben, ist die Effektivität des Marktes; das bedeutet nicht nur Preistransparenz, sondern auch eine Plattform für Transaktionen, die es ermöglicht, Kunstwerke kurzfristig und mit niedrigen Gebühren zu verkaufen. Das ist etwas, das wir noch nicht erreicht haben, und das ist der Grund, warum wir Auktionen auf unserer Plattform realisieren, Kunstauktionen online. In anderen Worten, Effektivität des Marktes ist eine Möglichkeit für Sammler, Händler und Auktionshäuser, bei niedrigen Transaktionskosten produktiver zusammenzuarbeiten.

Thomas Eller: Man kann Ihren Weitblick beim Start von Artnet nicht genug betonen, zu einer Zeit, als noch nicht einmal die Technologie vorhanden war, all diese Dinge online zu präsentieren. Der Markt war viel überschaubarer und ich kann mir vorstellen, dass Artnet anfangs viel Widerstand von Galerien und Auktionshäusern zu spüren bekam, weil alle dachten, zu viel abrufbares Wissen würde für sie problematisch werden. Das Gegenteil ist wahr...

Hans Neuendorf: Das gilt für jeden Markt dieser Welt. Ich meine, warum sollten völlig normale Standardregeln und der Gebrauch von Informationen in irgendeinem Markt - sei es die Immobilienbranche oder die Börse oder die Industrie - warum sollten sie auf den Kunstmarkt nicht zutreffen?

Thomas Eller: Effektiv hat jeder erkannt, dass der Markt gewachsen ist, und eine Menge Leute haben das der Einführung von Artnet zugeschrieben. Seit wir diese Informationen anbieten, gibt es eine bessere Verhandlungsbasis für jeden, womit gemeint ist: Artnet erzeugt Vertrauen in einer Gemeinschaft, in der Information Mangelware war. Also, je mehr Leute dieses Vertrauen aufbauen, umso mehr Leute steigen in den Markt ein. Das ist es, was wir in den letzten zehn Jahren erlebt haben.

AfN: Gab es nicht eine Redewendung in der Kunstwelt, dass man in trüben Gewässern den größten Fisch fangen konnte?

(Alle lachen.)

Hans Neuendorf: Einige Händler denken immer noch, dass ihr Geschäft so funktioniert. Kaufe etwas für zu wenig Geld von einer kleinen alten Dame und verkaufe es dann an einen Aktienhändler. Ich glaube nicht, dass man das Geschäfte machen nennt. Ich glaube, das ist Glück. Manchmal passiert es, aber ich glaube, ein effizienter Markt erzeugt hohen Umsatz und geringe Margen.

Herr Ellers: Es entsteht auch mehr Raum für viel mehr Künstler. Viel mehr Künstler können in den Markt eintreten, aktiv werden, genug verdienen und sich in dieser Umgebung ausbreiten. Es geht also nicht nur um den großen Fisch. Alle reden von den riesigen Summen, die realisiert werden, aber es gibt viel mehr Leute im Markt heutzutage, die nicht diese Rekordpreise erzielen. Für sie gibt es jetzt einen Markt und das ist auch eine Leistung.

AfN: Wenn Sie ein Bild zum Thema Transparenz, oder Effektivität im ersten Kunstmarkt als Strasse von A nach B zeichnen wollten, wo stehen wir? Und was liegt vor uns?

Hans Neuendorf: Wir haben noch nicht einmal die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Wir haben eine Menge für die Transparenz des Marktes getan, die Preistransparenz und den Marktüberblick, aber wir haben nicht alles erreicht. Es gibt immer noch Händler, die es nicht zulassen, dass ihre Preise vor einer Messe veröffentlicht werden. Das ist ein großer Nachteil, weil ich glaube, der Markt würde enorm profitieren, wenn es anders wäre. Wir arbeiten daran. Und wir haben auch noch nicht erreicht, mehr Künstlern die Beteiligung am Markt zu ermöglichen. Wir dürfen nicht vergessen, zwischen all den Gesprächen über sehr erfolgreiche Künstler und sehr hohe Preise - es gibt eine sehr große Anzahl von Künstlern, die keinen Zugang zum Mark haben, und viele Galerien können es sich nicht leisten, sie in den Markt einzuführen, weil ihre Mieten und ihre Kosten zu hoch sind. Also müssen sie ein Preisminimum bekommen, um überhaupt anzufangen. All das blockiert den Markt... Ich glaube, hier kann das Online-Verfahren viel dazu beitragen, diese Künstler der Öffentlichkeit vorzustellen, weil es nicht viel kostet. Deshalb veröffentlichen wir jetzt Werkkataloge und Monographien, auch von nicht so bekannten Künstlern.

AfN: Ich verstehe... Was glauben Sie, wie viele Künstler gibt es weltweit?

Hans Neuendorf: Das weiß ich nicht, aber in den USA alleine verlassen jedes Jahr über 40.000 Künstler die Kunstschulen. Also ich glaube, es gibt hunderttausende Künstler. In jedem Fall: eine wesentlich größere Anzahl, als es Galerien gibt.

Thomas Eller: Ich sage immer, heute leben mehr Künstler, als jemals zuvor in der Geschichte.

AfN: Kommen wir zum Online-Geschäft. Artnet.com hat seinen zweiten Versuch angekündigt, Auktionen online durchzuführen. Abgesehen von den riesigen Problemen mit Betrug, scheinen Online-Verkäufe verführerisch zu sein. Mit seinen "eBay Live Auktionen", versucht eBay seit mehreren Jahren einen Fuß in den Markt zu bekommen. Artprice.com hatte letztes Jahr mit der Einführung eines Kleinanzeigen-Systems großen Erfolg. Das im Juli lancierte Christie's LIVE von Christie's machte Bieten online möglich.

Artnet ist ein Galeriennetzwerk und will jetzt auch Auktionen durchführen, das scheint ein Widerspruch zu sein. Können Sie uns erklären, wie Sie einerseits das Geschäft der Galerien fördern und andererseits als Auktionator agieren wollen?

Hans Neuendorf: Also, das ist einfach zu erklären. Das Auktionsgeschäft ist für mehrere Leute mehrfach fehlgeschlagen: eBay scheiterte in 1999, Artnet scheiterte, weil uns das Geld ausging, Sotheby's scheiterte - und hat sicher eine der größten Geldsummen in diesem Geschäft verloren - aber ich glaube, wir haben alle Fehler gemacht. Insbesondere Sotheby's hat den Fehler gemacht, dieselbe Kommissionsgebühr zu verlangen wie bei einer regulären Auktion. Das ist das große Problem.
Ich glaube, Online-Auktionen können hilfreich sein, weil wir nicht die hohen Provisionen verlangen müssen wie bei regulären Auktionen. Wissen Sie, einige Auktionshäuser berechnen bis zu 50 Prozent! Wenn Sie also ein Kunstwerk im Wert von 5.000 Euro haben und Sie wollen es auf einer Auktion verkaufen, gehen 2.500 Euro an das Auktionshaus und das sind alles Kosten! Auf diese Weise sind sie nicht einmal sehr profitabel. Ich glaube, wenn wir 10 Prozent berechnen und das können wir ohne weiteres, wenn wir Auktionen online durchführen, dann ergibt das im Markt eine enorme Erhöhung der Liquidität. Das Hauptproblem in einem nicht funktionierenden Kunstmarkt ist die Liquidität. Also erzeugen wir Liquidität. Das ist der Vorteil für die Galerien. Die Galerien sitzen auf großen Lagerbeständen...

Thomas Eller: ...und es geht auch schneller. Die Umschlagzeit ist kürzer.

Hans Neuendorf: Ja, viel kürzer.



Thomas Eller

AfN: Man sagt auch, als sich die Auktionshäuser in den Siebziger Jahren auf den zeitgenössischen Kunstmarkt stürzten, haben sie das mit Abendauktionen getan und wir wissen, was Abendauktionen bedeuten: ein Ereignis. Wo bleibt der Event online? Oder ist das nicht notwendig?

Thomas Eller: Ich glaube, hinter verschiedenen Märkten stecken verschiedene Arten von Logik. Nehmen wir zum Beispiel Kunstmessen: Kunstmessen sind ebenfalls Events, aber wir sind das größte Galeriennetzwerk online. Einige Leute brauchen den Event, wie Sie wissen. Aber wenn Kunstwerke auch über andere Kanäle vertrieben werden, schauen sich die Leute auch woanders um und auch nach anderer Kunst. Ich glaube, durch Abendauktionen versucht man, auf dem Markt neue Rekorde zu erzielen, aber wie gesagt, der Markt ist wesentlich breiter gestreut. Er entwickelt sich nicht nur nach oben. Viele Kunstwerke werden von Auktionshäusern nicht akzeptiert, weil sie nicht profitabel erscheinen. Für diese Werke gibt es derzeit keine Handelsplattform. Wir öffnen ein zusätzliches Portal, damit Kunst von Künstlern, die gerade nicht modisch sind, ebenfalls gehandelt werden kann. Tatsächlich kreieren wir viele Märkte.

AfN: Aber wie verhindern Sie Betrug? Für eBay ist das ein großes Problem.

Hans Neuendorf: Der größte Vorteil, den Artnet bietet, auch im Gegensatz zu unseren bisherigen Auktionsversuchen, zu jedem Angebot liefern wir alle Informationen, die ein Käufer braucht. Zuerst bieten wir einen Preisvergleich durch die Preisdatenbank, Informationen über die Preisentwicklung - Tabellen und Grafiken darüber, wie sich der Preis für Werke dieses Künstlers innerhalb eines bestimmten Zeitraumes entwickelt hat. Dazu bieten wir einen Marktüberblick: mit nur einen Klick gelangt man zum Galeriennetzwerk und kann sich darüber informieren, welche anderen Kunstwerke in 1.500 Galerien weltweit gerade verfügbar sind. Außerdem bieten wir Kataloge von Künstlern und alle anderen Arten von Informationen, die jemand möglicherweise brauchen könnte. Man kann bequem etwas online kaufen, und wenn man etwas gekauft und erhalten hat, kann man es, wenn man es nicht mag, immer noch zurückgeben.

AfN: Wer ist der Verkäufer? Jeder?

Hans Neuendorf: Ja. Zuerst wollten wir nur Galerien diese Möglichkeit einräumen, ihre Lagerbestände online zu verkaufen, was für sie einen großen Vorteil darstellt, da viele Galerien Werke auf Lager haben, die nicht ihrem gewünschten Image entsprechen und sie sich von diesen Beständen trennen wollen. Also bieten wir einen schnellen Liquiditätsservice. Das ist eine gute Sache, aber es gibt auch Sammler, die gerne etwas verkaufen möchten und bisher gezögert haben, das über Auktionen zu tun, da hierfür dreißig bis vierzig Prozent Kosten anfallen. Also bieten wir den Service beiden Seiten an.

AfN: Sie sagten, dass Sie alle Informationen zum relevanten Angebot bieten, so dass jemand weiß, dass es sich um ein Kunstwerk innerhalb eines größeren "Oeuvres" handelt. Verlieren Sie durch Ihr Auktionssystem nicht Kunden? Ich nehme an, die Informationen, die Sie anderenfalls verkaufen würden, sind umsonst, nicht wahr?

Hans Neuendorf: Ja, die Information ist umsonst, aber ich glaube nicht, dass unser anderes Geschäft darunter leiden wird. Warum sollte es? Tatsächlich werben wir damit für unsere anderen Leistungen. Diese Information ist nicht nur für die Teilnahme an Auktionen hilfreich, sondern auch zur Recherche von Preisen, etc. Sie wird immer gebraucht. Die Verfügbarkeit von Information, weitreichender Information über den Markt, kreiert aus meiner Sicht Vertrauen. Und Vertrauen kreiert Geschäft.

AfN: Da wir gerade über Ihr Geschäft und das der Galerien sprechen, Sie haben dieses Jahr begonnen, eine Kunstmesse im Cyberspace zu realisieren, mittels eines interaktiven Grundrisses, ausgestattet mit Fotos und Basisdaten zu jedem Messestand. Im nächsten Jahr wollen Sie ein Equivalent für die Art Basel entwerfen. Es ist offensichtlich, dass Sie nicht jede Kunstmesse in den Cyberspace transferieren können. Aber, warum exklusiv die Art Basel? Und wie verhält sich das zur Transparenz?

Thomas Eller: Nein, ich habe an einem bestimmten Punkt angefangen, mit Sam Keller von der Art Basel zu sprechen und dabei ist mir bewußt geworden, dass er die Person mit der richtigen Vision war, um diese Idee zu verwirklichen. Wir sind glücklich, dass es exklusiv ist, das ermöglicht es uns, es als herausragendes Ereignis zu platzieren.
Also war es in seinem und auch in unserem Interesse, dies grundsätzlich als starke Verbindung von zwei Marktführern anzukündigen und darauf haben wir uns geeinigt. Und wir sind uns einig, dass dies auch ein sehr starkes Werkzeug für die Galerien werden wird. Grundsätzlich verlängern wir dadurch die Dauer der Messe um zwei Monate, ermöglichen eine bessere Verbindung zu den Händlern und schaffen Gelegenheiten, die Kunstwerke erneut zu besuchen. Sammler, die sich an ein Kunstwerk, aber nicht an den Namen der Galerie erinnern, können auf dem Grundriss navigieren. Man erinnert sich immer genau wo, in welcher Nachbarschaft man das Kunstwerk gefunden hat und man kann dahin zurückgehen, die Stelle anklicken und man erhält ein Foto der Koje auf der Messe und dann kann man tiefer in die Bestände der Galerie hinein schauen. Ich glaube, das ist ein großartiger Service.

AfN: Wenn das erfolgreich ist, werden Sie es dann auch anderen Messen anbieten?

Thomas Eller: Im Moment haben wir eine Vereinbarung und ich glaube, es ist für beide Partner gut so. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

AfN: Wir hatten einen kurzen Einblick in das Galerien- gegen das Auktionsgeschäft, aber wir haben die Produzenten weggelassen. Gestern hatte ich ein kurzes Gespräch mit einem Galeristen, den ich nach einem Künstler gefragt habe, dem es mental nicht sehr gut geht, der nicht in guter Verfassung ist. Ich habe ihn gefragt, ob ich mit dem Künstler sprechen, ihn auf seinen Weg zurückholen soll. Der Galerist sagte: "Bemühen Sie sich nicht, es gibt hier überall genug Kreativität."

Im Licht eines sich erholenden Kunstmarktes, glauben Sie, es gibt eine Fülle talentierter Künstler und dass der Markt unbegrenzt wachsen kann? Wie sieht die Zukunft aus?

Hans Neuendorf: Ich glaube, es ist eine wunderbare Zeit für Künstler. Es ist soviel Geld vorhanden; auf der Seite der Sammler gibt es die Ambition und den Willen, für Kunst Geld auszugeben. In gewisser Weise ist das der ultimative Luxus und jetzt können viele daran teilhaben. In anderen Worten, es ist eine gute Zeit für Künstler.

AfN: Also sollten sie keine mentalen Probleme haben. Sie sollten darüber glücklich sein, was gerade passiert.

(Lachen)

Hans Neuendorf: Wenn wir die Künstler als Gruppe betrachten, haben sie keinen so großen Anteil wie die anderen Gruppen. Ich glaube, es gibt viele, viele Künstler, die keine Verbindung zum Markt haben und Artnet erweitert das Spektrum der Künstler, die Zutritt haben. Das ist eines unserer Ziele. Künstler tragen die höchsten Existenzrisiken innerhalb der Gruppen, weil sie nicht von einer Ware zu einer anderen wechseln können. Sie sind an ihre eigenen Sachen gebunden. Also ich denke, wir müssen uns um die Künstler kümmern.

Thomas Eller: Das beunruhigt mich ein bisschen, was Sie über diesen Künstler gesagt haben. Dass sich die Galerie offensichtlich nicht für den Künstler engagiert. Aber, wie Sie wissen, tun das die meisten Galerien. Sie versuchen, die Karriere ihrer Künstler voranzutreiben. Nur wenn sie das tut, kann eine Galerie erfolgreich sein.

Hans Neuendorf: Das ist sehr wahr. Man vergisst, bei allem Reden über Geld und insbesondere, bei den Pressemeldungen über Rekordpreise, dass Galeristen wirklich Idealisten sind. Diese Leute machen das nicht wegen des Geldes. Es gibt einfachere Wege Geld zu machen, als eine Galerie zu eröffnen. Diese Leute sind Idealisten mit eigenen Ideen, sie kämpfen für die Kunst, an die sie glauben und für die Künstler. Und ich denke, das ist eine großartige Leistung. Sie spielen für den Markt eine sehr wichtige Rolle.

AfN: Die Künstler oder die Galerie?

Hans Neuendorf: Die Galerie. Aber der Künstler genauso. Ohne den Künstler...

AfN: ...würde sich nichts bewegen! Ja, sogar wir hätten kein Gesprächsthema.

Lieber Herr Neuendorf und Herr Eller, es war eine Ehre, mit Ihnen zu sprechen. Danke!

Dieses Interview können sie auf vernissage.tv als Video ansehen: Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Übersetzung: Senta Ofenmacher

www.artnet.com

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