Language and login selector start
Language and login selector end

London Art Fair - Interview mit Jonathan Burton


Jonathan Burton (rechts) und Marek Claassen (Direktor von Artfacts.Net)

AfN: Die ist ein Interview von Artfacts.net mit Jonathan Burton, dem Direktor der London Art Fair.
Hallo Jonathan.

Jonathan Burton: Hi.

AfN: Jonathan, sagen Sie uns, seit wann Sie jetzt die London Art Fair leiten?

Jonathan Burton: Ich habe die Leitung im Juli 2005 übernommen. Ich habe auf halben Weg eingesetzt die Messe 2006 vorzubereiten. Dieses Jahr ist es das erste Mal, dass ich alles von Beginn an plane.

AfN: Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Jonathan Burton: Auf einem etwas umständlichen Weg. Ich habe immer für die Kunst gearbeitet. Für eine Zeit lang habe ich für die English National Opera in London gearbeitet. Ich war Marketingleiter. Von dort aus bin ich dann als Marketingleiter zu den beiden London Tate Galerien: Tate Modern und Tate Britain. Ich war also dort und habe das Marketing für das Ausstellungsprogramm gemacht und mich auch um Dinge, wie die Mitgliedschaftsstruktur und die Vermarktung des Bildungsprogramms gekümmert. Und ich wurde gefragt - hierher nach Islington gekommen, um die Messe 2005 bezüglich einer Umpositionierung zu beobachten. Ich habe seit jeher eine Vorliebe für visuelle Kunst, dass ist eines der Dinge, die aus der Arbeit in der Oper resultieren, so lange wie ich das getan hab. Ich habe sehr eng mit dem Kreativ-Team zusammengearbeitet und die Oper ist ein ebenso visuelles, wie auch auditives Medium.

AfN: …es ist multimediale Kunst…

Jonathan Burton: Absolut. Und tatsächlich sah mein Weg zur visuellen Kunst so aus: Seite an Seite mit Designern in den Produktionen arbeiten und den Einfluss sehen, den sie auf die Kunstwelt hatten; zu beobachten wie das Ganze dann auf der Bühne umgesetzt wird; und dann natürlich nach Tokio zu gehen, ich war allgemein viel mehr in die Sache vertieft. Meine Rolle hier beinhaltet den Marketing Background, den ich aus meiner Karriere mitbringe, aber natürlich ist es auch wichtig, eine Leidenschaft für die Arbeiten, die hier verkauft werden, zu haben.

AfN: Die London Art Fair ist eine relativ alte Institution in der Kunstwelt. Wie alt ist die Messe wirklich?

Jonathan Burton: Es ist die 19. Messe. Wir gehen also ins 20. Jahr. Vielleicht sind wir sogar die alteingesessene Messe, also… Ich denke die British art fair kommt uns sehr nah, aber ich glaube wir sind ein wenig älter. Und die Messe läuft wirklich schon für lange Zeit.

AfN: Heutzutage hat man Hunderte von Kunstmesse rund um die Welt. Was macht die London Art Fair Ihrer Meinung nach einzigartig?

Jonathan Burton: Ich glaube, im Grunde hat das sehr viel mit den Galerien zu tun, die für die Messe ausgesucht werden. Die Mehrheit der Galerien kommt aus dem Vereinigten Königreich, und zeigt moderne britische und zeitgenössische Kunst. Und ich finde die Messe ist relativ ausgewogen - zwischen moderner britischer und zeitgenössischer Kunst, ich würde sagen, das Verhältnis ist ziemlich ausgeglichen. International, hinsichtlich der Galerien auf der Messe, ist der Bereich für Fotografie, den wir dieses Jahr neu haben: photo50 zieht Galerien aus ganz Europa an und von viel weiter weg: aus Neuseeland, Mexiko und der USA. Unser erklärtes Ziel ist es, dass dieser Teil der Messe - photo50 - eine internationale Palette teilnehmender Galerien hat.

AfN: Das bringt mich zu meiner nächsten Frage. Es gibt ungefähr 100 Galerien auf dieser Messe und die große Mehrheit ist aus London. Man könnte die London Art Fair auch Londoners Art Fair nennen. Warum liegt Ihr Fokus so stark auf britischer Kunst, auf Londoner Galerien?

Jonathan Burton: Da haben Sie Recht. Natürlich, eine großer Anzahl Galerien, die an der Messe teilnehmen, ist aus London. Das ist schon wegen der Zahl der Händler, die hier in der Hauptstadt sind, fast unvermeidbar. Wir haben Galerien aus dem ganzen Land: Galerien aus dem Südwesten, unten aus Penzance, einige aus Cornwall, aus Wales, auch aus Glasgow und Edinburgh und dieses Jahr auch aus Nordirland. Die Messe hat also eine nationale Reichweite über ganz Grossbritannien. Wir bieten eine Plattform für die besten britischen Galerien. Ich glaube, es ist auch eine Frage der Relation zu anderen Messen, z. B. zur Frieze. Wir wurden gefragt, wie sich unsere Galerien von denen der Frieze unterscheiden. Meiner Meinung nach ist der Fokus der Frieze ganz offensichtlich auf rein zeitgenössische Kunst. Es gibt dort einige britische Arbeiten aus dem 20. und 21. Jahrhundert, aber das ist eine Minderheit. Ich denke, wir sind so etwas wie ein Komplementär zur Frieze. Viele unserer Galerien streben es nicht an, zur Frieze zu gehen. Sie arbeiten nicht auf diesem internationalen zeitgenössischen Feld und es ist wichtig für diese Galerien einen starken, qualitativ hochwertigen Markt in London und Grossbritannien zu haben. Viele der Galerien, die auf der London Art Fair sind, machen natürlich auch Messen im Ausland, Bologna und Paris etc. Da unsere Messe im Januar stattfindet, ist sie für die Galerien sehr wichtig. Das ist die Zeit im Jahr in der weniger Messen sind und so können sie zum Jahresbeginn ihre bereits bestehende Kundschaft treffen, Kontakte aufnehmen und über die Kunden für kommendes Jahr sprechen. Wir mögen die Vorstellung, dass wir die Kunstwelt hier in GB aus der Taufe heben, vor allem bezüglich der Galerien, die hier teilnehmen.

AfN: Ich werde noch einmal darauf zurückkommen, denn wir hören immer wieder von Galerien aus dem Ausland, die teilnehmen. Wir haben eine spezielle Sicht auf die Messe, wegen der hohen Qualität, weniger aus Gründen des Marketings. Es sind die Arbeiten, die sprechen und nicht das Marketing. Eine große Mehrheit auf der ganzen Welt arbeitet auf diese Weise, nur auf die Qualität der Arbeit bedacht und sie prahlen damit nicht so. Sie denken also nicht daran andere Bereiche einzuladen?

Jonathan Burton: Sag niemals nie, aber ich denke im Moment ist es wichtig für uns und ein großer Teil unserer Identität, dass wir einen nationalen Schwerpunkt haben. Sie haben Recht. Ich bekomme Anrufe von europäischen Galerien, die fragen: "…können wir teilnehmen?". Eine Sache, die wir dieses Jahr besprechen, im Bereich Kunstprojekt, ist ob wir interessante Bewerbungen von Galerien aus Europa erhalten haben und wir würden uns freuen diese zu bekommen. Bei unseren Projekten achten wir darauf, dass es kuratierte Ausstellungen sind. Ich brauche nicht zu erklären, was Kunstprojekte sind, es sind auf gewisse Weise Ausnahmen, es gibt Installationen und Ausstellungen ohne Kuratoren. Wir begrüßen natürlich auch Bewerbungen aus Europa für diesen Bereich, aber ich denke der Hauptteil der Messe ist britisch.

AfN: Es gibt noch eine weitere Besonderheit an der London Art Fair, das ist die Tatsache, dass man über den Tag eine Menge Kunstwerke wechseln sieht. Es macht den Anschein, als würde es viele Käufe und Verkäufe geben und die Objekte immer direkt abgenommen. Das sieht man nirgendwo sonst. Wie kommt das?



Blick in die Messehalle der London Art Fair


Jonathan Burton: Ein interessanter Punkt. Ich glaube, das ist wirklich der Fall. Das hat viel mit den Besuchern der Messe zu tun. Es ist eine loyale Basis an Besuchern, die schon einige Zeit kommen. Unsere Besucher haben die Erfahrung, dass es eine einladende und ansprechende Messe ist. Wir geben den Leuten Zeit über ihre Sammlung nachzudenken. Sie kommen zu Beginn der Woche und können später mit ihren Frauen, Partnern, Ehemännern noch mal kommen bevor sie ihre Entscheidung treffen. Aber es gibt auch viele Sammler, die regelmäßig vielleicht nur ein oder zwei Stücke kaufen. Sie haben lange, genau darüber nachgedacht und eventuell schon im Vorfeld Nachforschungen betrieben. Vielleicht haben sie eine Beziehung zur Galerie außerhalb der Messe. Und wenn sie dann ihre Entscheidung machen, können sie vor Ort mit Kreditkarte zahlen und die Arbeit dann mit nach Hause nehmen. Das ist toll für die Leute. Ist es nicht viel aufregender eine Messe mit einem Bild unter dem Arm zu verlassen?

AfN: Ja, das sieht man nicht oft auf Kunstmessen. Man sieht die Arbeiten, man sieht die Galerien, aber man sieht nicht das Kommen und Gehen der Kunstwerke.

Seit einigen Jahren haben Sie einen Projektraum für etwa 20 Galerien eingeführt, die speziell von Ihrem Kuratoren Team eingeladen werden. Dieses Jahr stellen Sie eine Show für aufstrebende Fotografen vor, die Photo50. Werden Sie weiterhin die zeitgenössische Kunst auf der London Art Fair stärken?


Jonathan Burton: Ja. Die Photo50 ist nicht ausschließlich ein Bereich für gerade aufstrebende Künstler. Er gibt einige sehr etablierte Künstler in dieser Sektion, z. B. gibt es Arbeiten von Philip-Lorca di Corcia, ein sehr bekannter Fotograf. Was wir aber sehr gut finden ist, dass wir innerhalb der Photo50 eine Reihe von Künstlern in unterschiedlichen Stadien ihrer Karriere haben. Das bedeutet auch, dass es auch Preise von 650 Pfund bis über 18.000 Pfund gibt.

AfN: Und aller werden von einer Galerie vertreten?

Jonathan Burton: Natürlich. Der Grund für Photo50 und die Art wie wir es machen, ist, dass wir das Angebot auf der zeitgenössischen Seite erweitern wollen und auch so eine Art Foto-Ausstellung zu machen. Aber darüber hinaus, haben wir aus Befragungen der letzten Jahre erfahren, dass über 50 % unserer Besucher sich für das Sammeln von Fotografie interessieren. Sie sind gleichzeitig etwas misstrauisch gegenüber diesem Medium. Sie haben Fragen über den Wert und den Status und wir haben uns Gedanken gemacht, wie man die potentiellen Sammler absichern kann und welche Informationen man ihnen zur Verfügung stellen muss, damit sie tatsächlich mit dem Sammeln von Fotografie anfangen…

AfN: Das ist interessant und bringt uns zur nächsten Frage. Die London Art Fair hat ein "Talks and Discussions Programme", in welchem Sie traditionelle Fächer, wie Landschaft und praktische Themen, wie eine Einführung in das Kunstsammeln, vorstellen. Wenn man all das zusammenrechnet, was Sie bei der Schau, den Gesprächsrunden und Touren präsentieren, wie würden Sie Ihr Zielpublikum beschreiben?

Jonathan Burton: Auf gewisse Weise sind die Gesprächsrunden sehr repräsentativ für die Besucher auf der Messe, was tatsächlich eine sehr bunte Mischung ist. Die Messe zieht Laiensammler an, die einen bestimmten Betrag Geld zum ausgeben haben und nicht sehr erfahren sind. Es gibt Novizen Sammler, die keinen Hintergrund haben. Wir können mit ihnen arbeiten und ihnen Informationen geben, wie sie ihre Sammlung in die eine oder andere Richtung vergrößern können. Auf der anderen Seite gibt es, wie wir in den Gesprächen festgestellt haben, sehr gut informierte und erfahrene Sammler mit kunstgeschichtlichem Hintergrund. Beide wollen wir unterstützen und ihnen die Informationen geben, die sie brauchen. Es macht Spaß Kunst zu kaufen. Die Gesprächsrunden, die wir dieses Jahr gemacht haben, sind eine Art Einführungsstück, sie umfassen Kunstgeschichte, Klassizismus, Moderne, Zeitgenössisches… Es gibt auch wissenschaftlichere Diskussionen, also Themen die eine größere Reichweite haben, wie z. B. die Fonds-Diskussion, die morgen Nachmittag stattfindet, in der es darum geht wie man ein zeitgenössisches Meisterwerk erkennt. Ich wähle Themen, die mit dem starken Markt zu tun haben. Wie kommt man in den Markt? Auch wenn Sie eine Institution sind, die zeitgenössische Kunst kaufen will, betrifft Sie dieses Thema. Wie kommt man schnell genug zum Zug? Wie beleuchtet man etwas, bevor es verkauft wird oder von dem so schnelllebigen Markt wieder verschwindet.

AfN: Letztes Jahr hatten Sie mehr als 25.000 Besucher.

Jonathan Burton: Ein bisschen weniger, es waren ungefähr 21.500 Besucher. Wir hoffen dieses Jahr die 25.000 zu erreichen. Um das in ein Verhältnis zu bringen, wenn wir dieses Jahr 25.000 Besucher erreichen, dann ist die Beteiligung in den letzten drei Jahren um 30 % gestiegen. Das zeigt, dass der Markt auf zeitgenössischer Seite stark ist, wie wir wissen, aber auch der moderne britische Markt ist sehr stark. Wir sehen die Werte dieser modernen britischen Arbeiten, vor allem auf kürzlich veranstalteten Auktionen, schnell nach oben gehen und das Interesse der Leute ist meiner Meinung nach ebenfalls gewachsen. Es hat auch etwas mit dem Vertrauen in die Messe im Allgemeinen zu tun.

AfN: Ich kenne die weiteren Zahlen nicht, aber die Messe wächst in Bezug auf das Publikum und den Umsatz. Werden Sie noch mehr Galerien in der Zukunft einladen?

Jonathan Burton: Eigentlich können wir nicht. Wegen des Gebäudes…es ist fast voll. Wir nutzen bestimmt 97 % des vorhandenen Raums, würde ich sagen. Die Jahre vergehen und die Messe kommt und geht; sollen wir in dem Gebäude bleiben oder gibt es eine Möglichkeit irgendwo anders hin zu gehen? Aber wahrscheinlich würden wir das nicht tun, das Gebäude ist ein Teil unserer Identität. Es ist ein hübsches, spät-viktorianisches Gebäude und Teil des Eindrucks. Eins der schönen Dinge am Gebäude sind die etwas unterschiedlichen Niveaus; genauso wie die Erfahrungen der Besucher. Wenn man in ein Gebäude eintritt, mit so hohen Gewölbedecken, hat das einen besonderen Einfluss. Aber es hat auch etwas Zwangloses. Ich glaube, als Direktor der Messe, ist mein Ziel auf der einen Seite Arbeiten höchster Qualität zu zeigen und auf der anderen Seite, dass die Leute sich wohl hier fühlen. Das Gebäude ist Teil des Ganzen.

AfN: Die Zahl wird also gleich bleiben?

Jonathan Burton: Ich glaube ja. Wir haben etwas Platz um oben noch etwas zu expandieren, aber wir würden da über ein halbes Dutzend Galerien reden, nicht mehr. Wir werden sehen…

AfN: Lieber Jonathan Burton, vielen Dank für das Interview.

Jonathan Burton: Dankeschön.


Übersetzung: Jessika von Kiparski

www.londonartfair.co.uk

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.