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Interview mit Ewald Karl Schrade, Kurator der ArtKarlsruhe


Ewald Karl Schrade

AfN: Guten Tag, Herr Schrade.
Sie sind der Kurator der vierten ArtKarlsruhe, zum vierten Mal.
Sie haben eine Modellbaulehre hinter sich, einen schweren Unfall, wurden Versicherungskaufmann und leiteten eine Bankfiliale, und im Jahre 1971 eröffneten Sie Ihre erste Galerie. Jetzt organisieren Sie zum vierten Mal die ArtKarlsruhe. Ein recht ungewöhnlicher Weg zur Kunst! Wie kamen Sie denn da hin?

Schrade: Ja, das ist sehr einfach, wenn man Freude an der Kunst und eine Möglichkeit von Räumen hat. Ich war damals Zweigstellenleiter einer Sparkasse und hatte da sehr große Nebenräume. Ich war bis zu dem Zeitpunkt sehr aktiv in Kunstvereinen und -initiativen tätig, und dann hatte ich plötzlich diese wunderbaren Räume und habe daraufhin begonnen, selber Ausstellungen zu machen - aus purer Freude. Die Freude ist geblieben, nur jetzt hat sie sich noch mit dem Geschäft gepaart, weil ich mich dann irgendwann zurückgezogen habe aus dem Finanzgeschäft und nun Geldgeschäfte mit Kunstwerken mache.

AfN: Man nennt Sie in Bezug zur ArtKarlsruhe auch den "Messevater" oder "Gründungsvater". Bisher waren Sie sozusagen alleinverantwortlich; nun haben Sie sich entschlossen, die Auswahl der Bewerber nicht mehr im Alleingang zu treffen, sondern als fünfköpfiges deutsches Gremium. Hat es da spürbare Auswirkungen gegeben bei der Auswahl der Galerien?

Schrade: Ich habe mir überlegt, dass ich jetzt dreimal allein meine Birne hingehalten habe. Nun habe ich Kollegen gefragt, die in jeder Kunstrichtung aktiv sind - von der klassischen Moderne bis hin zur aktuellen Kunst -, die also einen großen Überblick haben. Die Galerien, die bis dato dabei waren, kannte ich alle, aber es kamen dann immer mehr Bewerber, und da braucht natürlich jeder Mensch die Unterstützung von Kollegen, denn jeder kennt eine gewisse Anzahl an Galerien, und man kennt die Programme… und dann haben wir uns gemeinsam zusammengesetzt und uns gemeinsam in unglaublich einvernehmlicher Atmosphäre sehr ernsthaft über den Inhalt der Galerien unterhalten. Es ging ja um ca. 30 bis 35 Galerien, die neu zugelassen werden mussten. Ich will gewiss nicht die Galerien der ersten Stunde herausekeln. Darum geht es nicht, aber die Neuzugänge sollen doch mit der Unterstützung dieses hochkarätigen Beirats noch fachkundiger gemacht werden.

AfN: Wie sehen Sie die Position der ArtKarlsruhe, verglichen mit anderen Messen, die im deutschsprachigen Bereich tätig sind, vor allem was den Anspruch der Internationalität angeht? Sie wollen verstärkt Frankreich einbinden, denn Paris liegt näher als Berlin, wollen aber auch in den osteuropäischen Bereich vordringen, wobei die Viennafair im letztgenannten Bereich schon gut etabliert scheint. Welche zukünftige Entwicklung sehen Sie denn für die ArtKarlsruhe?

Schrade: Ich habe davon gesprochen, dass unser mittelständisches Preisniveau durchaus für einen Umkreis von 500 bis 600 km absolut greift. Köln versucht schon lang den Anschluss an Basel mit der Amerikanisierung zu erreichen. Aber ich glaube, es gibt ganz andere Faktoren bezüglich der Finanztransaktion, warum die Schweiz da einen relativen Vorsprung hat gegen andere Messen, und warum in Basel große Händler der deutschen klassischen Moderne durch die Amerikanisierung ihren Boden verloren haben. Es ist ja eine ganz neue Situation.

AfN: Und wie sehen Sie das für die ArtKarlsruhe?

Schrade: Ich denke, dass die ArtKarlsruhe sich der Augenhöhe der anderen Messen langsam aber sicher annähert. Ich werde mir jetzt nicht anmaßen zu behaupten, dass wir bereits auf einer Augenhöhe seien, aber wir nähern uns an. Wenn Sie durch die Halle gehen und das Niveau sehen, dann erscheint mir das - obwohl ich es ja selber organisiert und gemanaged habe - für die vierte Auflage schon wie ein Wunder, dass es möglich war, in dieser kurzen Zeit den Stellenwert zu erreichen.

AfN: Die ArtKarlsruhe nennt sich "Internationale Messe für klassische Moderne und Gegenwartskunst". Die ArtKarlsruhe kann - räumlich bedingt - nicht weiter wachsen…

Schrade: Sie könnte weiter wachsen, wenn es genügend Räume gäbe, aber ich bin der Meinung, dass das Weiterwachsen auf Kosten der Umsätze der teilnehmenden Galerien ginge. Wenn ich von dem Einzugsgebiet rede, dann ist da eine Grenze. Die Überschaubarkeit und die qualitätsbewusste Auswahl der jetzt neu hinzukommenden Galerien sind schon viel besser. Köln hat jetzt mühevoll von 300 auf 180 reduzieren müssen. Es ist sehr schwer, und ich habe nicht die Absicht, irgendetwas aufzublasen, und dann geht hinterher die Luft raus.

AfN: Im Hinblick auf die Internationalität heißt das, dass die Zahl der deutschen Galerien zwangsläufig reduziert wird, um internationaler zu werden?

Schrade: Wenn 80% wiederkommen, fallen 20% weg. Diese 20% kann man ersetzen, und ich werd mich sehr bemühen, Frankreich etwas aufzufrischen; und da wird die Frage sein: "Wer ist eine der 20 oder 30 Galerien, die zugelassen werden?" Man wird natürlich keine erstrangige Galerie aus Paris ablehnen und eine schlechtere Galerie aus Deutschland dazunehmen. Man wird aber auch keine gute deutsche Galerie ablehnen, um eine schlechte französische zu nehmen. Es wird ausgewählt, und natürlich ist es so im wahren Leben, wenn man seine Messe macht, dass diejenigen, die kommen wollen, nicht immer die sind, die man haben will. Und wenn ich wichtige Galerien haben will, muss ich selber meine Aktivität laufen lassen, die Gespräche weiterführen, um doch noch den ein oder anderen für die Teilnahme zu gewinnen.

AfN: Karlsruhe ist keine Weltmetropole. Die meisten Messen bieten neben guter internationaler Kunst attraktive Nebenevents oder sind als Ort schon attraktiv für Kunstsammler. Welche Maßnahmen werden in Karlsruhe ergriffen, um die Anziehungskraft für internationale Kunstsammler zu erhöhen?

Schrade: Wir sind eine preisgekrönte Universitätsstadt. Wir haben das ZKM, wir haben ein herrliches Ambiente an Restaurants, wir haben große Museen und bedeutende Kunstinstitutionen. Hier am Oberrhein spielte und spielt die Kultur über Jahrhunderte eine ganz zentrale Rolle. Und wenn Sie Metropolen mit Einwohnerzahlen festmachen wollen, dann ist die Stadt Karlsruhe mit ihren knapp 300 000 Einwohnern wohl nicht mit dabei, aber wo ist denn die Kunst schon an Metropolen gebunden? Es gibt wichtige Initiativen, die außerhalb der Zentren stattgefunden haben. Südfrankreich war nie eine Metropole, dafür aber ein Eldorado der Künstler gewesen. Durch die aktive Idee der ArtKarlsruhe wird es zu einer Kunstmetropole, aber nicht durch die Einwohnerzahl. Es zählt die Qualität der Kunst.

AfN: Das ist ein guter Übergang zur letzten Frage: Eigens für die Formel 1 werden Pisten in der Wüste gebaut. Jetzt gibt es eine GulfArtFair in Dubai. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Schrade: Ich freu mich über jede Aktivität, die sich um die Kunst dreht. Ich freue mich sehr, wenn Stützpunkte da sind. Das hilft jedem, der mit der Kunst zu tun hat. Das hilft Ihnen, den Medien, das hilft allen anderen auch. Alles, was der Kunst dient, und jeder, der der Kunst dient, ist mein bester Freund.

AfN: Herr Schrade, herzlichen Dank für das Interview.


Interview: Theodore Luke de Jonge Cohen

www.art-karlsruhe.de

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