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FUTURO: Lara Usic - ZWISCHEN SPUREN UND „OFFENBARUNGEN“


Lara Usic, Frammento/Fragment 16, 2006

In jedem künstlerischen Werdegang gibt es einen Moment, in dem der Künstler, nach eingehenden und notwendigen Studien beschließt, seinem Schaffen einen eigenen Stil zu verleihen, der seine Persönlichkeit hervorhebt und seine künstlerische Ausdrucksweise charakterisiert. Lara Usic, eine junge Künstlerin aus Pola, die ihre Ausbildung in Venedig absolviert hat (Studium an der „Accademia di Venezia“) befindet sich gerade in eben dieser Phase der Identifikation und Konsolidierung. Ihr klarer und beispielhafter Werdegang ist durch den bewussten Ausdruck, die profonde Motivation und die
Themenbezogenheit ihrer Werke geprägt. Es ist deutlich zu erkennen, dass diese Künstlerin ihre „Hintergründe“ mit Intelligenz und unter dem abstrakten und informellen Einfluss des 20 Jhs. verarbeitet hat, wobei sie sich auch der zeitgenössischen Bildsprache und entsprechenden Ausdrucksformen bedient. In ihren Werken können wir in der Tat vieles aus der europäischen Malerei wieder finden: von Riopelle bis Baumeister, von Tobey bis Appel, von Santomaso bis Rotella.
Mit einem Vorbehalt. Die junge Künstlerin hat sich während ihrer Entwicklungsphase gründlich und mit Eifer damit beschäftigt, ohne sich dabei aber zu stark anzunähern oder abhängig zu machen. Usic hat bereits ihren eigenen Stil gefunden, den wir ohne diese Beobachtungen im Vorfeld nicht gebührend würdigen könnten. Ihre Arbeit besteht aus einem beständigen „Graben“ in dem Sinne, dass sie in jedem Bild eine Materialschicht nach der anderen an die Oberfläche bringt, gleichzeitig aber auch im Sinne einer thematischen, philosophischen und inneren Suche.
Der Schaffensprozess ist für Usic notwendige Nahrung, die ihre Ausdruckskraft aufnimmt und spaltet. Sie ist die eigentliche Substanz der Kreativität, die durch zahlreiche Anspielungen und vielfältigen Sinngehalt motiviert ist und weitere innere Bereiche offen legt. Sie erstellt ihre Werke mit ausgewogener Erkenntnis und zögert, wenn der tiefere Sinn ihrer Gedanken nicht voll zum Ausdruck kommt. Sie verliert sich vor jedem Bild, um mit Erde und Stimme, Farbe und Stille zu verschmelzen. Sie wird Subjekt und Objekt ihrer Schreckensmomente und chromatischen Leidenschaft, wobei jeder Pinselstrich Quelle und Mündung eines Flusses ist, der gleichzeitig aufwühlt und beruhigt. Wir haben es mit einer Künstlerin zu tun, die weiß, dass sie nichts weiß und deshalb mit Bescheidenheit alle „unsichtbaren Kontinente” erkundet, um neue und unerwartete Projekte zu erarbeiten.
Ihre Arbeit ist von einer Leidenschaft fürs Detail geprägt und dennoch ohne formale „Einschränkungen“, eine Schreibweise aus Zeichen und Farben, die mehr vom Instinkt als vom Verstand geleitet wird, wie ein Traum, der Formen und Situationen alternativ erscheinen lässt. Die Malerei von Lara Usic bedient sich einer alltäglichen und zeitgenössischen Zeichensprache, wobei das Weiß absolut hervorsticht und die Farben erniedrigt und zu Sklaven ihrer Allmacht werden lässt. Auf diese Weise erschafft die Künstlerin aus archaischen Schichten zutage tretende Formen, in denen erschöpftes Licht und Farben aus unbekannten und von der Zeit unberührten Orten erscheinen.
Sie spricht mit dem Betrachter, um ihn eine zwischen Fantasie und Paradigma angesiedelte Kraft wahrnehmen zu lassen, wobei jede Spur und jede zu Tage getretene Schicht von einer verzauberten Hingabe begleitet wird, die gleichzeitig offen legt und beseitigt, einbezieht und entzieht. Die Spur, das Zeichen, die Schreibweise-Zitierung-Sentenz haben für die Künstlerin einen emblematischexistentiellen Wert, dem man sich nicht entziehen kann und der bewusst gewählt ist, um die Vergänglichkeit der Zeit zu unterstreichen. Das, was entsteht und endet, was verändert und aufhebt, was sich durchsetzt und erschüttert, was den Menschen all seiner Freiheiten beraubt.
Sie hat eine ausgeglichene Gabe zur Beobachtung und Erinnerung, ihre Ausdruckskraft entsteht jedoch vor allem durch die Fähigkeit, sich der Intuition, der Interpretation kompositorischer Zufälle und der Anpassung der Materienschichten hinzugeben, die überfließen und in einer primär unbekannten Dimension
gerinnen.

Text: Pino Bonanno

www.futuro-magazin.ch/index.html

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