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Fine Art Fair Frankfurt: Interview mit Michale Neff


AfN: Dies ist ein Artfacts.Net- und Vernissage.tv Interview mit Michael Neff, Gründer der Michael Neff Galerie in Frankfurt und Direktor der fine art fair in Frankfurt. Guten Tag Herr Neff.

Neff: Guten Tag.

AfN: Herr Neff, betrachten Sie sich in erster Linie als Händler, Kurator oder Manager?

Neff: Ich denke, ich übernehme alle drei der genannten Rollen.

AfN: Und wenn Sie eine Rangordnung angeben müssten?

Neff: Dann wäre das: Händler, Manager, Kurator.

AfN: Frankfurt ist nicht unbedingt bekannt als Kunst-Hotspot. Warum haben Sie Ihre Galerie hier in Frankfurt eröffnet?

Neff: Ich habe in Frankfurt für verschiedene Galerien und für verschiedene Firmensammlungen gearbeitet, und so bin ich dann mit meiner Galerie, dem gesamten Management und Geschäft in Frankfurt geblieben. Es war einfacher.

AfN: Kommen Sie ursprünglich aus Frankfurt?

Neff: Nein, aus Heidelberg. […] Ich bin hierher gekommen, weil Martin Kippenberger mich nach Frankfurt geschickt und mir angeraten hat, in Bärbel Grässlin's Galerie in Frankfurt zu arbeiten, wenn ich Interesse daran haben sollte, mich mit seiner Arbeit zu befassen. So fing alles an, im Jahr 1992.

AfN: Sie führen eine internationale, sehr erfolgreiche Galerie, die auf den weltweit wichtigsten Messen wie ARCO, Art Basel und Frieze Art Fair ausstellt. Wie kam es dazu, dass Sie selbst Messedirektor wurden?

Neff: Das Messemanagement rief mich vor zwei Jahren an und fragte: "Was würden Sie tun, wenn Sie eine Messe leiten müssten?" Sie stellten eigenartige, aber sehr allgemeine Fragen, und nach drei Sätzen sagte ich: "OK, wenn es hier um Frankfurt ginge, dann würde ich es vorziehen, die Messe zu schließen" Und sie erwiderten: "Das ist interessant. Warum?" - "Wegen der schlechten Situation, wegen des schlechten Messeniveaus…" und so kamen wir dann ins Gespräch.

AfN: Wissen Sie, warum ausgerechnet Sie angerufen wurden? Wurden auch andere Personen angerufen?

Neff: Nein, sie haben mich angerufen, weil ihnen jemand dazu geraten hatte, der mich als radikal und "hart" genug für eine echte Veränderung und Hilfe einschätzte.

AfN: Zum Zeitpunkt des Anrufes war das Messemanagement sich folglich darüber im Klaren, dass Sie radikal sein würden. Da war man also schon sehr aufgeschlossen.

Neff: Ja, aufgeschlossen und hoffentlich auch ein wenig ängstlich. Im letzten Jahr waren sie zwar nicht unbedingt schockiert, aber doch zumindest wirklich überrascht, und in diesem Jahr sind sie sehr sehr glücklich. Das hatte ich ihnen so versprochen.

AfN: Sie haben sich für einen neuen Messenamen entschieden: "quality street". Ich habe mich sofort an diese wundervollen Bonbons von Macintosh erinnert. Soweit ich weiß, gibt es da zahlreiche Assoziationen mit diesem Namen. Was waren Ihre?

Neff: Es ist nicht der Name der Messe, es ist ein Titel für diese Show. Im letzten Jahr gab es dafür einen anderen Titel, und im nächsten Jahr wird es wieder ein anderer sein. Ich wollte eine Marke haben, so etwas wie einen Produktnamen, und das ist der temporäre Produktname für die Ausstellung einer Kunstmesse. Im nächsten Jahr wird es ein anderer Name sein, wahrscheinlich ein Songtitel.

AfN: In der Wirtschaft nennt man ein herausragendes Produkt eine "killer application" oder auch eine "unique selling proposition". Die "quality street" Kunstmesse bezeichnet sich selbst als den Zierfisch unter den Kunstmessen. Bilden Ihr Management-Geschick, zusammen mit dem Markennamen und der revolutionären Präsentationsweise die kraftvolle Mischung, die zu einem Umsatzmaximum führt?

Neff: Das ist eine sehr eigenartige Frage. Ja und nein. Einerseits dreht sich alles darum, und andererseits ist es nicht etwas, das man verallgemeinern könnte. Es ist harte Arbeit, ein sehr harter Weg. Es geht nicht um das Management. Für die Verwirklichung einer solchen Messe bedarf es einer Kombination aus all diesen verschiedenen Wegen und Richtungen. […] Das Ziel lautet: Wie weit kann man mit einer Kunstmesse gehen? Ist dies eine Zukunftsmesse oder nicht? - Wir haben noch nicht unsere finanziellen Zielsetzungen erreicht; da gibt es noch einiges zu tun. Was aber das Streben nach einer Zukunftsmesse betrifft, so haben wir da wahrscheinlich einen Schritt nach vorn gemacht.

AfN: Die Deutsche Bank ist der Hauptsponsor dieser Messe und auch der Frieze Art Fair. Die Deutsche Bank konkurriert da mit der UBS, die die Art Basel und Miami sponsort. Wie verstehen Sie Ihre Rolle in diesem Spiel? Betrachten Sie sich, Samuel Keller oder Matthew Slotover als Assistenten für die Politik der großen Banken, als verwickelt in deren Wettstreit um Aufmerksamkeit?

Neff: [lacht] Es ist einfach ein bequemes und angenehmes Sponsoring - sehr unkompliziert, sehr professionell. Niemand schaut wirklich auf's Geld. Es ist eine sehr klare, sehr transparente Situation. Es gibt keine Beschwerden. Jeder wünscht sich einen Sponsor wie die Deutsche Bank für ein solches Projekt. Ich habe keine Ahnung, wie das mit der UBS läuft. Ich vermute mal, dass es ähnlich sein wird. Nein, wir sind ganz sicher nicht eine Assistenz der Deutschen Bank.

AfN: Sie befürchten nicht, dass es eine Art Wettkampf zwischen der Deutschen Bank und der UBS darüber geben könnte, wer mehr Aufmerksamkeit erhält?

Neff: Nein, natürlich nicht. Die Sammlung Deutsche Bank ist etwa 25 Jahre alt, und man sucht da auch nach zukünftigen Möglichkeiten. Sponsoring ist eine Möglichkeit, sowie auch die Veränderung der Sammlung, die Guggenheim Corporation etc. Das ist nur ein Teil davon. Die UBS macht diese Art von Kunst-Banking. Sie gehören praktisch zu der Kunstmesse Basel; das ist etwas sehr Traditionelles und macht ebenfalls Sinn. Ich glaube nicht, dass man diese zwei Weisen von Sponsoring überhaupt miteinander vergleichen kann. Sie sind sehr unterschiedlich…

AfN: …mit unterschiedlichen Zielsetzungen…

Neff: …und wahrscheinlich mit unterschiedlichen Resultaten.

AfN: Gestern, während der Eröffnung, war ich wirklich überwältigt von diesem offenen Konzept. Besucher, Künstler und Galerienpersonal bewegten sich ganz frei zwischen den Kunstwerken. Es war eine offene Welt ohne abgrenzende Wände; man genoss die entspannte Atmosphäre inmitten dieser wundervollen Installationen. Man fühlte sich wie ein Teil von etwas, das sich anderswo weiterentwickeln würde. Denken Sie, dass Ihr Konzept einer grenzfreien, kuratierten Kunstausstellung, wo man Kunstwerke kaufen kann, sich erfolgreich durchsetzen wird?

Neff: In diesem Jahr und in dieser Weise: Ja. Im nächsten Jahr wird alles ganz anders sein.

AfN: Dann ist das hier eigentlich schon Geschichte.

Neff: Ja, das ist schon wieder durch.

AfN: Und denken Sie, dass dieses Konzept in der Messe- und Biennalenszene aufgenommen und weiterentwickelt wird?

Neff: Ich habe einen radikalen Schritt in einer Folge vieler unterschiedlicher Schritte gemacht, aber ich bin sicherlich nicht so ein Trendsetter, dass alles nur aufgrund meiner Messe über Nacht umgeworfen und neu gestaltet wird. Im nächsten Jahr wird meine Messe wieder ganz anders aussehen und wahrscheinlich massenhaft Stände präsentieren.

AfN: Also wieder das Gegenteil, ein Widerspruch!

Neff: Natürlich. Wir beginnen immer wieder bei Null.

AfN: Lieber Herr Neff, vielen Dank für das Interview.

Interview: Marek Claassen

Dieses Interview können sie auch als Video ansehen: zum Video

www.fineartfairfrankfurt.info

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