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Art Cologne: Interview mit Gerard A. Goodrow


Die Art Cologne wurde 1967 gegründet und ist die älteste Kunstmesse der Welt. Während sie die vergangenen 40 Jahre immer im Herbst stattfand, wurde sie dieses Jahr zu ersten Mal in den Frühling verschoben. Artfacts.Net und Vernissage.tv sprachen mit Gerard A. Goodrow, der seit 2003 der Direktor der Art Cologne ist.

AfN: Mr. Goodrow, wie sind ihre ersten Eindrücke von der Art Cologne. Es gab viele Diskussionen über die Änderung des Termins. Jetzt am dritten Tag der Messe, was können sie bereits sagen?

Goodrow: Wir haben in der Sektion "Open Space" dieses Jahr eine Art von Motto. Es heisst: "A Springtime Revolution". Ich hatte das Gefühl, das es für die gesamte Messe gilt, nicht nur für den Open Space, denn es besteht ein Frühlingsgefühl. Alle sind sehr positiv eingestellt. Man kann es bei den Besuchern sehen, bei den Ausstellern und den Museumsleuten die kommen. Die Verkäufe spiegeln das wieder. Es gab bereits fantastische Verkäufe. Es ist einfach nur ein allgemeines gutes Gefühl.

AfN: Bereits für die letzte Art Cologne haben sie sich entschieden die Anzahl der teilnehmenden Galerien zu reduzieren und der Messe ein neues Gesicht zu geben. Wie können sie diesen Prozess beschreiben? Ist er bereits zu Ende oder ist es mehr eine langsame Entwicklung? Zum Beispiel haben sie dieses Jahr wieder mehr Aussteller als letztes Jahr.

Goodrow: In den letzten Jahren haben wir viele Änderungen vorgenommen, es ist nicht nur der Open Space hinzugekommen, wir haben die Messe reduziert, das Datum geändert. Es gibt ein wenig mehr Aussteller als das letzte Mal, nur ein bisschen mehr. Aber grundsätzlich, nach all dieses Jahren der Veränderung - auch im Bezug auf den turbulenten Markt und die internationale Entwicklung - was wir nun tun wollen ist, ein bisschen Stabilität zu vermitteln. Die meisten Veränderungen finden statt, man wird hier geringfügige Verbesserungen sehen. Aber grundsätzlich gilt nun, das es Zeit ist alles ein wenig zu beruhigen und zu sagen: "Wir sind dahin gekommen, wo wir hinwollten. Jetzt geht es nur darum die Qualität zu erhöhen."

AfN: Zeitgleich finden zwei kleinere Messen in Köln statt und die DC in Düsseldorf. Die beiden in Köln können als Satellitenmessen bezeichnet werden. Aber der Ansatz der DC ist es international arbeitende Galerien anzuziehen. Kann die DC aus ihrer Sicht eine Bedrohung für die Art Cologne werden oder ist diese Entwicklung eine Chance für die ganze Region und kann die Art Cologne von dieser Konstellation profitieren?

Goodrow: Um ehrlich zu sein, ich denke, dass die drei Messen in einer gewissen Weise vergleichbar sind. Ich denke sie sind alle Satelliten und das meine ich in keiner Weise negativ, aber keine dieser Messen würde ohne die Art Cologne existieren. Die DC hat ein Marketingkonzept, nachdem sie sich selbst als Großmesse präsentieren. "Internationalität" macht dich nicht bedeutend - die Qualität der Werke macht dich bedeutend. Die Messe öffnete gestern, wir werden sehen ob es eine gute Messe ist oder nicht. Wir haben in Köln das Sprichwort, das besagt man müsse etwas "gönne könne" - nach dem Motto, gib ihnen eine Chance! Wir werden sehen was passiert.

Allgemein denke ich, es ist ein Zeichen wie gut die Art Cologne geworden ist, denn wären wir nicht gut, hätten wir nicht drei Satelliten um uns herum. Und ich denke, dass der Kunstmarkt in dieser Region und in Deutschland allgemein, stark genug ist. Es gibt genügend Käufer da draußen. Ob es alles davon profitieren kann? - Vielleicht, weil es die Stärke der Region nach außen hin demonstriert, vielleicht gibt es so einen anderen Grund zu kommen. Aber noch einmal, wir werden sehen. Wir sind mitten in der Art Cologne, die DC Düsseldorf hat begonnen, Brüssel eröffnet heute, Frankfurt schloss letzte Woche und Wien eröffnet nächste Woche... Wir werden sehen was passiert.

AfN: Die DC Düsseldorf bekommt einen starke Unterstützung von der Stadt. Es gab bereits einige Beschwerden von Galeristen, über zu wenig Unterstützung von der Stadt Köln. Was können sie dazu sagen?

Goodrow: Ich finde es von der Seite der Galerien sehr interessant, dass sie gewissermaßen erwarten, dass sie von den Städten unterstützt werden. Ich habe noch nie davon gehört, zum Beispiel, dass die Modeindustrie erwartet die Stadt unterstütze die Geschäfte oder Friseure erwarten Hilfe von der Stadt... Galerien sind schließlich auch Geschäfte wie andere auch. Natürlich ist es ein kultureller Gewinn für die Stadt, aber grundsätzlich liegt es nicht in de Verantwortung der Stadt. Es ist unsere Verantwortung als Messegesellschaft unsere Klienten zu betreuen und wir sind froh wenn die Museen daran teilnehmen, aber ich spreche von den Museen nicht von der Stadt. Nebenbei bemerkt, ich weiß das die Düsseldorfer Messe genauso viel oder genauso wenig Unterstützung von der Stadt bekommt wie wir. Es ist also kein mehr oder weniger. Heute morgen wurde der Art Cologne Preis an Erhard Klein verliehen, und der Oberbürgermeister lobte die Art Cologne und gab seine Unterstützung an die Art Cologne. Ich habe in dieser Beziehung bisher nichts vom Bürgermeister von Düsseldorf gehört. Aber ich denke es gibt zuviel Gerede über die Konkurrenz zwischen Köln und Düsseldorf und was die Städte tun und was sie nicht tun. Mir ist es egal was die Stadt tut. Ich konzentriere mich darauf, was wir tun und ob wir einen guten Job machen oder nicht.

AfN: Lassen sie uns über Tradition sprechen. Die Art Cologne ist die älteste Kunstmesse der Welt. Die Entscheidung das Datum zu ändern viel auch, weil andere, jüngere, Messen zur gleichen Zeit stattfanden. Ich denke, als sie diese Messe planten mussten sie in zwei Richtungen denken. Erstens diese Tradition zu erhalten und zweitens die Messe in eine neue Ära zu führen. Wie schwer war es diese beiden Prozesse zusammenzuführen?

Goodrow: Das ist genau das, was ich von Anfang an tue. Ich begann hier vor dreieinhalb Jahren und ich sagte, dass das besondere an der Art Cologne ihre Tradition ist. Es ist ein Vorteil so alt zu sein. Es kann zum Nachteil werden, wenn man es dabei belässt. Aber es war mein Motto zu Beginn der Art Cologne: "Tradition mit Blick auf die Zukunft". Und ich denke man kann beides haben. Weil wir eine Messe sind, die moderne und zeitgenössische Kunst hat, muss man beides sowieso haben. Open Space zum Beispiel scheint in gewisser Weise neu zu sein, aber vielleicht ist es aus dem Kölner Skulpturenprojekt heraus entstanden, das wir vor einigen Jahren machten. Es ist ein Teil dieser ganzen Tradition und gleichzeitig etwas neues. Also etwas das völlig neu zu sein scheint ist Teil der Tradition. Die neueren Messen müssen eine Tradition aufbauen. Die Idee von Tradition scheint altmodisch zu sein, aber speziell auf dem heutigen Markt, auf dem so viel über Investment gesprochen wird, und alles so schnell geht. Es ist wie in der Modeindustrie, wenn es etwas gibt, das wir mit unserer Tradition offerieren können, dann ist es Stabilität, Kontinuität und Vertrauen. Und dies ist auf einem Markt großartige Dinge.

AfN: Für dieses Jahr haben sie die Art Cologne Palma de Mallorca angekündigt. Was waren die Gründe für diese Entscheidung und können sie bereits einige Details über die Messe sagen?

Goodrow: Die Idee für die Art Cologne Palma de Mallorca kam auf, weil wir dachten:" Vielleicht können wir die Idee der Art Cologne exportieren und hier auch davon profitieren". Wir sahen ein großes Potential im spanischen Markt und in dem des gesamten Mittelmeerraumes, und wir wollten zeigen, dass der deutsche und spanische Markt stark genug ist.
Es wir eine relativ kleine Messe sein und sie wird in den ersten Jahren innerhalb des Flughafens von Palma de Mallorca stattfinden, da sie gerade ein neues Messezentrum bauen. Es ist Spanien, es dauert ein bisschen länger als es vielleicht hier dauern würde. Es wird ungefähr 65 Galerien geben. Sie wird in einer gewissen Weise wie die Art Cologne sein, da das gesamte Jahrhundert repräsentiert sein wird: von der klassischen Moderne bis zu Neuem Zeitgenössischen. Hoffentlich- und wir arbeiten daran - wir es zusätzlich ein Skulpturenprojekt in einem Außenbereich geben. Ich denke es wird spannend werden. Es wird die Schwester der Art Cologne sein, aber anders. Wenn die Art Cologne sehr bodenständig ist - denn so ist Köln - dann wird die Art Cologne Palma de Mallorca durch den Charakter der Stadt ein bisschen mehr glamourös sein. Jede Messe muss Teil der Stadt sein, in der sie stattfindet und die Stadt und ihren eigenen Charakter reflektieren. Also eine kleine Schwester, aber eine starke.

AfN: Wie wollen sie Sammler anziehen?

Goodrow: Wir werden natürlich ein spezielles Programm haben um Sammler anzuziehen. Aber das großartige an Mallorca ist, dass die Sammler bereits da sind! Sie sind im Urlaub, sie besitzen Häuser oder Apartments. Es gibt dieses Vorurteil, dass Mallorca vielleicht ein deutsches Bundesland ist, aber es gibt auch Skandinavier, Engländer und Amerikaner. es ist sehr kosmopolitisch. Wir werden viel tun um Sammler anzuziehen, aber es gibt auch viel auf das wir zählen können.

AfN: Mr. Goodrow, vielen Dank für das Interview.

Interview: Tobias Hilger

Dieses Interview können sie auch als Video ansehen: zum Video

www.artcologne.de

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