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Viennafair: Interview mit Edek Bartz


Dies ist ein Artfacts.Net Interview mit dem Direktor der Viennafair, Edek Bartz.

AfN: Herr Bartz, Sie waren Musiker, DJ, Konzertveranstalter, Kunsthallenleiter, Kurator, Hochschullehrer und vieles mehr. Wie wurden Sie Messedirektor?

Bartz: Es war voriges Jahr ein sehr heißer langer Sommer, und ich glaube, ich bin nur deshalb in Frage gekommen, weil ich wahrscheinlich der Einzige war, der sich zu der Zeit überhaupt in Wien aufhielt, und der noch dazu eine Frisur hatte wie Samuel Keller aus Basel, und ich bin mir sicher, dass das eine Vorgabe für den Job war… - Nein, also, aus Ihrer Auflistung geht ja bereits hervor, dass mein berufliches Leben immer aus Organisieren bestand. Ich habe viele sehr große Sachen organisiert und war aber - auch während der gesamten Zeit, als ich mit Musik zu tun hatte - eigentlich immer schon in Kunstprojekte involviert. Ich kenne die Szene auch sehr sehr gut, schon seit vielen Jahrzehnten, und ich kenne und kannte sehr viele Künstler. Ich hab immer wieder mit ihnen gearbeitet für Ausstellungen und andere Sachen, und so war es für mich eigentlich etwas ganz Natürliches und Normales, mal eine Kunstmesse zu organisieren.

AfN: Die Viennafair startet heuer in ihre dritte Ausgabe; damit ist sie noch eine sehr junge Dame unter den mehr als 120 Kunstmessen weltweit. Ihre Ausrichtung scheint klar, wichtige österreichische Galerien plus eine sehr starke Präsenz und Unterstützung der osteuropäischen Länder.
Ist Ihrer Meinung nach das Profil der Viennafair damit bereits ausgereift?

Bartz: Als ich Direktor der Viennafair wurde, habe ich mir die Frage gestellt: Wozu braucht man so etwas? Benötigt Wien so ein Event? - Und ich habe schon bald erkannt, dass die Stärke Wiens natürlich darin besteht, in Osteuropa zu agieren. Das ist praktisch wie ein verlängerter Arm unserer eigenen Heimat, und es hat da auch in historischer Hinsicht einfach immer schon viele Kooperationen und wirtschaftliche Verbindungen gegeben. Ich muss ehrlich sagen, dass ich über osteuropäische Kunst fast gar nichts wusste, als ich angefangen habe. Da ich den Job aber sehr ernst nahm, fing ich sofort an, mich sehr intensiv damit zu befassen, auch diese Länder zu bereisen, viele Galerien und Kunsthallen und Institutionen zu besuchen. Und das war eigentlich der Moment, in dem ich verstanden habe, wie wichtig eigentlich die Viennafair ist. Denn für diese Länder und für die Künstler aus diesen Ländern ist die Viennafair oft die erste Möglichkeit, heraus aus ihren Ländern zu kommen, sich mal in einem internationalen Kontext zu präsentieren.

AfN: Das ist eine gute Überleitung zu der nächsten Frage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der osteuropäischen Galerien bzw. Ihrer gezeigten Exponate? Und, sind jene Galerien bereits auf dem westlichen Kunstmarkt angekommen?

Bartz: Also auf die erste Frage würde ich mal so antworten: Man sieht von Jahr zu Jahr eine Verbesserung der Qualität. Aber das sind so Fragen, die man nicht immer salopp und flott beantworten kann - aus folgendem Grund: Die osteuropäischen Galerien haben natürlich einen langen Leidensweg: Im Kommunismus waren die Künstler geknebelt, konnten sich eigentlich nicht ausdrücken. Die Kunst der 50er, 60er, 70er Jahre war also noch eine Subkultur-Szene, die eigentlich eher im Underground agierte, und die eigentlich kaum von einem Publikum wahrgenommen wurde, weder dort noch hier. Es herrschte eher so eine Bohemien-Stimmung. Und dann kam nach dem Zusammenbruch dieser große Gap, wo sie sich wieder sammeln mussten. Natürlich trugen die ersten Galerien und die ersten Institutionen, die aus jener Zeit gekommen sind, noch immer diese Last - auch ästhetische Last - mit sich, und sie versuchten zunächst, sich selbständig zu machen. Das hat man am Anfang sehr stark gesehen, aber von Jahr zu Jahr zeigt sich hier eigentlich, wie radikal schnell sich die Szene dort verändert, wie die Künstler zusehends interessanter für uns werden, wie sie sich auch zusehends mehr mit internationalen Themen befassen, sich also praktisch von diesen künstlichen Themen "Wir aus dem Osten…etc" entfernen; diese Frage stellt sich fast gar nicht mehr, und was natürlich wirklich spürbar ist, ist die Tatsache, dass sie nun vernetzt sind und wissen, was in der Welt los ist. Wenn sie jetzt nach Wien kommen, kommen sie nicht, weil sie zum ersten Mal ausreisen dürfen oder weil sie den Sommer mit der Tante in Wien verbringen - nein, sie wissen genau, was da los ist. Sie wissen, was überall los. Sie sind hochgebildet und hochmotiviert, und ich glaube, damit werden wir uns auch auseinander zu setzen haben.

AfN: Es sind hier nun über 100 Galerien vertreten; diese Halle ist damit voll. Können Sie sich ein weiteres Wachstum vorstellen? Wäre er gewollt? Und wenn ja, in welche Richtung? Wird es das gleiche Entscheidungsgremium geben? Bleibt es aufgrund der Konkurrenzsituation bei dem Frühjahrstermin?

Bartz: Ich glaube, dass die Größenordnung, wie wir sie jetzt haben, eigentlich so bleiben sollte. Das ist noch eine Größe, die wir gut fassen können. Ich glaube nicht, dass wir versuchen sollten oder müssen, jetzt superinternational zu agieren und genauso toll wie Miami und Basel, Madrid oder Paris zu werden. Was ganz wichtig ist, ist dass wir unser eigenes Profil entwickeln und auch wissen, für wen wir agieren. Im Vorjahr sind schon viele amerikanische und europäische Gäste nach Wien gekommen, und sie haben auch wirklich gut eingekauft. Die Leute interessieren sich also für osteuropäische Kunst, und bei meinen vielen Besuchen auf anderen Messen wird mir immer wieder gesagt: "Ja, wir kommen wieder nach Wien. Wir wollen sehen, was dort weiter passiert. Diese Kunst interessiert uns." Das ist für uns ein Goal, und dabei müssen wir bleiben. Ich glaube, die Größenordnung muss ungefähr so bleiben, um den Fokus nicht zu verlieren. Es geht uns nicht darum, jetzt willkürlich noch irgendeine x-beliebige deutsche oder noch irgendeine englische schicke Galerie, die neu entstanden ist, anzunehmen. Ich meine, das müssen wir uns eigentlich nicht wirklich erkämpfen. Unsere Zukunft liegt vielmehr darin, dass die westliche Welt sieht, was wir zu bieten haben, und dass dann sagt: "OK, wir kommen nach Wien, um uns anzuschauen, was in diesen Ländern passiert."

Zu Ihrer zweiten Frage: Für das Entscheidungsgremium ist es jetzt das dritte Jahr, und das wird sicherlich bald wieder wechseln. Das ist ja ganz natürlich. Ich glaube, der Beirat muss immer wieder erneuert werden, und der Frühjahrstermin muss durchdiskutiert werden. Wir müssen sehen, wie wir damit weiter umgehen werden, wobei ich schon selber große Befürchtungen hatte, dass wir natürlich durch diese Überzahl der Messen und durch diese Zusammenballung der Termine große Probleme haben werden, aber das war interessanterweise nicht der Fall. Wir haben genauso viele Anmeldungen - wenn nicht sogar noch mehr als letztes Jahr - gehabt; wir haben auch sicher ein Drittel der Galerien abgelehnt, weil sie vom Beirat nicht auf die Messe zugelassen wurden; und vor allem waren wir selber sehr erstaunt über die große, schnelle Zusage der Sammler. Sie haben sich scheinbar nicht gefragt, ob sie zu uns kommen sollen oder nach Frankfurt, Düsseldorf, Köln. Die Entscheidung, nach Wien zu kommen, muss wohl ganz klar gewesen sein.

AfN: Neben den Künstlern und Galerien sind natürlich die unterschiedlichen Sammlergruppen für den Erfolg einer Messe wichtig. Welche Gruppen haben Sie ansprechen wollen und was haben Sie sich einfallen lassen, um Sie auch für Wien zu gewinnen?

Bartz: Wir haben ein sehr interessantes Programm mit Diskussionen, in denen es immer wieder um die Themen der Messe geht; es gibt also natürlich sehr viel über Osteuropa. Außerdem sind viele Gäste eingeladen; es findet ein großer Panel über die europäischen Biennalen statt. Es passiert in dieser einen Woche extrem viel in Wien zum Thema Kunst.



Artfacts.Net Stand auf der Viennafair


AfN: Sie beobachten sicherlich den Messemarkt sehr aufmerksam. Auf welcher Augenhöhe sehen Sie momentan die Viennafair und wo wollen Sie sie realistischerweise in Zukunft sehen?

Bartz: Auf einer Pressekonferenz wurde mir auch schon so eine ähnliche Frage gestellt. Für uns stellt sich diese Frage nicht. Wien macht jetzt keinen Wettbewerb zwischen den Messen, wer der bessere, wer der schnellere ist, wer mehr Künstler oder Galerien kriegt… Für uns ist klar, was wir erreichen wollen. Wir wollen erreichen, dass diese Kunst aus Osteuropa, Österreich und aus den Ländern, die uns umgeben, Anklang findet, dass sie bekannt wird, dass sie Käufer und Interessenten findet.

AfN: Herr Bartz, vielen Dank für das Gespräch.



Interview: Artur M. Holweg

www.viennafair.at

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