ART AMSTERDAM: Interview mit Erika Hoffmann (Sammlung Hoffmann) | |

Die aus dem Rheinland stammende Kunstsammlerin Erika Hoffmann zog 1994 nach Berlin. Zusammen mit ihrem Mann Rolf Hoffmann eröffnete sie in den ehemaligen Sophien Gips Höfen ihr über 1000m2 grosses Privatmuseum. Ihre Sammlung umfasst unter anderem Werke von Günther Uecker, Frank Stella, Bruce Nauman und Mike Kelly. Für die Art Amsterdam wählte sie Werke von Künstlern aus, die ehemals in der Rijksakademie arbeitenden und heute in Berlin leben. Unter anderem sind dies Tjebbe Beekman, Mathilde ter Heijne, Alexandra Leykauf, Mathilde Rosier, Bojan Sarcevic und Marike Schuurman. Die Ausstellung trägt den Titel "Berlin-Amsterdam". Artfacts.Net sprach mit der Sammlerin.
AfN: Liebe Frau Hoffmann, ich freue mich, dass Sie Zeit für uns haben und uns einige Fragen beantworten können. Ich würde gern wissen, wie Sie zur Kunst gekommen sind.
Hoffmann: Es ist mir während der Vorbereitungen hier bewusst geworden, und weil ich immer wieder gefragt wurde, warum ich ausgerechnet für die Art Amsterdam etwas tue bzw. für die Rijksakademie. - Ich denke, weil ich hier in Holland in den Museen zum ersten Mal zeitgenössische Kunst gesehen habe. Wir lebten damals im Rheinland. Mein Stiefvater, der Museumsleiter war, nahm mich mit auf seine Reisen; und so im Alter von 15, 16, 17 habe ich das - glaube ich - zum ersten Mal hier gesehen. Das hat mir wirklich die Augen geöffnet. Auch dass so wahnsinnig viele Leute in den Museen waren, weit mehr als ich das aus deutschen Museen kannte. Also ich spreche nicht nur von der zeitgenössischen Kunst, sondern auch von den übrigen Museen - hier waren immer ganze Familien da; die hoben ihre Kinder hoch, und es war eine solche Freude, während ich mich in den deutschen Museen an den Wärter wenden musste, wenn ich jemanden haben wollte, mit dem ich mich am Tag mal unterhalten konnte. Da war sonst niemand. Das war in den 50ern.
AfN: Sie haben Amsterdam schon angesprochen. Sie haben hier die Ausstellung kuratiert von der Rijksakademie, Berlin-Amsterdam, und ich würde gern wissen, nach welchen Kriterien Sie die Künstler ausgewählt haben.
Hoffmann: Ganz nach persönlichem Geschmack. Und das war auch das, was mir zu Beginn ans Herz gelegt wurde; ich sollte es einfach so machen, wie ich sonst auch auf Kunst zugehe. Was anderes blieb mir ja auch gar nicht übrig, weil ich keine Routine habe in einer professionellen Weise.
AfN: Könnten Sie uns den Titel der Ausstellung noch erläutern: Folded or titled realities, where delusion and reality overlap?
Hoffmann: Ich weiß nicht, ob Sie schon in dem Ausstellungsraum waren, den wir gerne "Pavillon" nennen im Unterschied zu den anderen Ständen. Da können Sie vielleicht sehen, was ich meine: Es gibt solch eine Überlagerung oder auch einen Knick zwischen der geschaffenen Realität, die sozusagen vorgeblendet wird oder auch gleichzeitig zu sehen ist, so dass man zunächst ganz irritiert ist und nicht recht weiß, was man eigentlich sieht, denn wir haben ja jetzt hier eine dritte Realität, die auf die Wand gebracht ist. Und das mündet natürlich in dem Klischee, dass Holländer die Realität immer so interessant dargestellt haben. Zumindest von Deutschland aus gesehen waren sie darin die Meister, während wir vielleicht eher das Spekulative entwickelten. Und das hat mich interessiert. Sie haben es vielleicht bemerkt, das sind drei Holländer, eine Deutsche, ein Serbe und eine Französin.
AfN: Sie haben Kunstgeschichte studiert, 20 Jahre lang als Fashion-Designer gearbeitet, inzwischen fast 40 Jahre lang Kunst gesammelt, und jetzt sind Sie zudem als Kuratorin tätig. Fashion und Kunst haben ja auch immer etwas mit der Gesellschaft zu tun, in der sie entstehen. Welche gesellschaftlichen Fragen behandelt die zeitgenössische Kunst Ihrer Meinung nach? Und welche Themen interessieren Sie dabei besonders?
Hoffmann: Das hat auch direkt damit zu tun, dass ich die Realität besonders wahrgenommen habe. Mich interessiert wirklich, wie bei wachsender Virtualität unserer Umgebung, unserer Information und allem, dem wir so tagsüber ausgesetzt sind, wie sich das Verhältnis zum eigenen Körper verändert, was ja für mich als Designer immer der Mittelpunkt war: Wie fühlt man sich in seiner Haut? - Wenn ich mal die zweite Haut mit der Kleidung gleichsetze und die dritte Haut mit der Architektur. - Was wird aus unserer physis? Wie werden wir es fertig bringen, all dem, was so auf uns einstürmt, überhaupt die Stirn zu bieten? Wir können ja schon bald mit Knöpfen ausgerüstet werden, die das alles wahrnehmen, aber ich fühle mich schon heftig überfordert von all der Information, die ich jeden Tag eigentlich aufnehmen sollte, und die mich ja auch reizt, die ich natürlich auch interessant finde.
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Marike Schuurman - aus der Serie 'Plots' 2005; Courtesy: Rijksakademie |
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"We measure fame" - Artfacts.Net auf der Art Amsterdam |
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