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Arte al Limite: Angela Lergo - Parallele Welten


Der Mensch, Körper und Seele, erforscht in der Skulptur, Installation und Performance ist die Grundlage der zeitlosen Arbeit dieser spanischen Künstlerin. Angela Lergos Werk vermittelt eine starke, feminine Botschaft, eine Vision, die es versucht, die Sinneseindrücke und Emotionen des Betrachters zu unterminieren und manchmal sogar Rituale und ungeschriebene Geschichten von den vorgegebenen Rollen der Gesellschaft zu erretten. Nach den letzten Ausstellungen auf der LISTE KÖLN und der Moscow International Art Fair´07, ist sie momentan dabei, ihre nächsten Ausstellungen in Norwegen und Belgien vorzubereiten.

Von Sandra Lodos Peña
Journalistin


Es ist der Abend des dreizehnten Septembers. Die Stimmung in dem Wollwaschraum, der noch aus dem 18. Jahrhundert stammt, ist heiter und überwältigend; dort wird zur Zeit das Vostell Malpartida Museum in Extremadura untergebracht. Die Musik beginnt zu spielen. Es ist der Anfang des Opfers, einer Rückkehr zum Ursprung, wo die Menschheit der Göttlichkeit des Rituals begegnen wird. Wenn Angela Lergo in den Raum kommt, gekleidet in Leinen und Wolle, tritt sie ein in einen Kreis, der mit Ziegenmilch markiert ist und zuvor ausgeschüttet wurde. Außerhalb des begrenzten Gebildes beten zwölf Frauen unaufhörlich den Rosenkranz.

Direkt in der Mitte stellt Lergo sehr genau die Bedeutung des Raumes um sie herum dar, die weibliche Präsenz und die Verehrung der alten Erde. Ein Mann, ganz in priesterlichem Schwarz gekleidet, wird das Haar der Performance-Künstlerin schneiden - als Opfergabe. Vollständig geschoren wie das Schaf, das vor Jahrhunderten den Waschraum ausgefüllt hat, entledigt sie sich ihres Kleides. Nackt reibt sie ihren Unterleib mit Menstruationsblut ein. Auf ihrem Bauch steht "MUTTER" geschrieben. Zwei Frauen bedecken sie mit einem Umhang, und sie verlässt den Schauplatz. Eine der Frauen strickt. Eine andere Frau formt nun mit Wolle und Haar das Wort "MUTTER" in dem Inneren des Kreises, um die Botschaft zu unterstreichen. Das Ritual ist beendet, und die Musik klingt allmählich aus.







In dieser Zeremonie-Performance wird der Geschlechterdiskurs thematisiert, doch die Interessen der Künstlerin umfassen ebenso das asexuelle Individuum, androgyn, oder wie sie es ausdrückt: "einfach den Menschen".

In "Debajo del Agua" [Unter Wasser] (2006) präsentiert sie eine bildnerische Reflexion darüber, was natürlich und was künstlich ist. Als Bühne wählt sie das Haus der Veletas, das im 16. Jahrhundert erbaut wurde und heute das Caceres Museum und einen arabischen Brunnen aus dem 11. Jahrhundert beherbergt. Wie in ihren Performances erschafft diese Installation Konzepte, Visionen und Räume neu - nicht nur indem das Werk in einen gegebenen Ort eingebettet wird, sondern auch indem dem jeweiligen Kontext eine neue Bedeutung zugeschrieben wird.

Besonders in "Debajo del Agua" (2006), wo das Salz dem Wasser ähnelt und Körper einen großen Anteil ihres Volumens unter einer kristallinen Substanz verstecken, stellt sie eine intime Ausbreitung von Halbdunkelheit und Licht vor - ein deutlicher Bezug zu dem unterirdischen System, das noch Regenwasser sammelt.

Die weißen Körper, in künstlichem Material ausgearbeitet, sind in etwas Natürlichem eingetaucht. Sie schauen sich an oder schließen einfach ihre Augen, umhüllt in ihre Reflexionen, die die Kälte des Gebäudes in einen sehr intimen und dialektischen Diskurs verwandeln. Aufgrund ihres ganz eigenen Charakters basieren Performances stärker auf einer dramatischen Sprache als die Bildhauerei das tut, ganz so wie die Künstlerin es selbst erklärt: "die Nähe zum Publikum, die Schnelligkeit und die Emotion der Direktkreation in Echtzeit… produzieren einen lebhaften und unmittelbareren Reiz für mich. In den Installationen erschaffe ich eine ruhigere, gelassene Welt. Meine Skulpturen beinhalten eine Mischung aus Kälte und Gefühlen, die Teile vermitteln einen gewissen Anschein von Unwirklichkeit, als gehörten sie zu einer inneren, traumartigen Welt. Dieser kalte Anschein ist nur die "Barriere", die der Betrachter überwinden muss, um in diese Welt zu gelangen".

Aber wo liegt die Verbindung zwischen so unterschiedlichen Ausdrücken wie "Mutter" und "Unter Wasser"?
In "Mutter" ging es mir um die weibliche Figur, ihr vielfältiges soziales Netzwerk, ihre Familie und ihr geschichtlicher Hintergrund. Ich arbeite gern über das Thema "Frau", da ich ihr Inneres kenne (…), ihre Gedanken und ihre Gefühle. In der "Unter Wasser"-Sammlung spielt der menschliche Körper ebenfalls die Hauptrolle, zusammen mit Wasser - einer Flüssigkeit, die eine konzeptionelle Last trägt. Wasser bildet 70% unseres Körpers; das Leben begann mit Wasser, wie auch der Mensch, der sich im Fruchtwasser entwickelt. Der Anfang des Unterbewusstseins befindet sich in dieser Flüssigkeit in der Gebärmutter einer Frau…

Ideen auf der Bühne

Nach Jahren des Projizierens von Szenen, dem Spielen mit Räumen, Atmosphären und Formen fand sie schließlich eine Methode, um selbst Teil der Darstellung zu werden. Auf der Bühne waren neue Emotionen und Ausdrucksmöglichkeiten deutlich, aber der direkte Kontakt mit den Menschen war sogar noch deutlicher. Blass und fein integriert Lergo diesen neuen Träger in den Eröffnungen ihrer Ausstellungen: "die Absicht bestand darin, den Geist des ausgestellten Werkes neu zu erschaffen, ‚dasselbe' mit anderen Mitteln zu sagen, und diese Mittel bestehen nun aus dem eigenen oder einem anderen Körper und aus Aktion."







Warum haben Sie sich dafür entschieden, Performance-Kunst zu machen?
Neben der Arbeit an Installationen, fühle ich mich in meinen Studien zudem von der Möglichkeit angezogen, etwas zu erschaffen, dessen Kern nur aus der Idee besteht, was die Idee hervorrufen kann; die Möglichkeit, alle anderen Absichten eines Werkes auszuschalten, wie das Bedürfnis nach etwas Materiellem, das auch in Zukunft noch da ist oder verfügbar ist. Ich finde, dass allein der Akt der Vergänglichkeit bereits eine bedeutungsvolle und poetische Kraft besitzt. Ich finde es außerdem reizvoll, Leuten etwas zu überbringen, etwas, das man genau in dieser Minute für sie tut; und verschiedene Mittel zu verwenden, um verschiedene Sinne zu berühren. Ich arbeite gern mit Musik (in erster Linie elektronische Musik), mit Gerüchen, Dingen zum Anfassen und sogar mit Dingen, die im Raum bleiben und ausgelöscht werden, wenn die Leute an ihnen vorbeigehen.

Doch auch die Bedeutung, die der Körper trägt, ist ein Beweggrund, da sie das Mittel und Ziel Ihrer Arbeit ist…
Mir persönlich ist das extreme wichtig. Jeder Körper ist eine extrem komplexe Maschine voller sinnträchtiger Kraft; er ist der Träger und der Behälter für unsere Fähigkeit zu denken, zu fühlen, zu kommunizieren und zu lieben. Angesichts all dieses Reichtums erfüllt es mich mit Leidenschaft, mit dem Körper zu arbeiten, nicht nur in Performances, aber auch in Skulpturen, wo jede Bewegung und jede Geste, die ich mache, mit Intention geladen ist.

Andere feministische Arbeiten wie z.B. "Ahora tenemos lo suficiente para dar la vuelta aérea dos veces al mundo" [Jetzt haben wir das Nötige, um zweimal um die Welt zu fliegen] (2002) folgen derselben Linie, erklärt die Künstlerin. In diesem Werk gibt sie vor, ihren eigenen Körper zu begraben, und jeder Teil ihres Werkes ist symbolisch besetzt: ihr Outfit, eine Burkha, die ihren Körper und ihr Gesicht vollständig bedeckt, eine Pflanze, die geboren ist und heftig wächst, und die sowohl von der Hoffnung als auch vom Leiden der afghanischen Frau erzählt.
Selbst wenn ihre Formen und Konzepte sich weiterentwickeln - und Lergo hat damit begonnen, neue Medien wie z.B. Video ("Do you love me?" ist ein Beispiel, das auf der Digital and Video Art Fair DIVA '05 präsentiert wurde) verwendet, so hat ihre Arbeit den Schwerpunkt doch weiterhin in der Performance-Kunst und in bildnerischen Installationen und versucht damit, die zeitgenössische Szene zu erobern. Mit ihrer lebendigen, poetischen und chromatischen Vision hat sie die wichtigsten kulturellen Räume Spaniens, Deutschlands, Hollands, der USA, Kanadas und Koreas erreicht.

Schon im Jahr 2008 wird sie in dem Huelva Museum und auf der Eröffnung des Ausstellungsraumes an der Cadiz Universität - beide befinden sich in Spanien - ausstellen.

www.arteallimite.cl

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