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Art Beijing - Interview mit Fang Fang


Fang Fang & Marek Claassen

Dies ist ein Artfacts.Net Interview mit Fang Fang.
Herr Fang Fang ist Gründer der Star Gallery und des Hi Art Magazine in Peking. Das Hi Art Magazine ist auf der Art Beijing 2007 Teil der besonderen Medienunterstützung.

AfN: Hallo Herr Fang.

Fang Fang: Hallo.

AfN: Als ich mir die diesjährige Septemberausgabe des Hi Art Magazine angesehen habe, bin ich auf mehrere Artikel über Künstler gestoßen, die auf der Art Beijing gezeigt werden. Es ist das erste Mal, dass ich eine so große Anerkennung von Künstlern, die auf einer Messe gezeigt werden, durch ein Magazin erlebe. Ich fand das wirklich großartig, weil es dem Besucher hilft, das Geschehen auf einer Messe zu verstehen. War das Absicht - und wenn ja, werden Sie so weitermachen?

Fang Fang: Ich würde gern mit der Hintergrundgeschichte unseres Magazins beginnen. Es ist das erste freie Kunstmagazin in China, das den Lesern per Post zugestellt wird. Das Magazin weist folgende Hauptmerkmale auf: Erstens, es ist ein schneller Weg, um der Öffentlichkeit die Sichtweisen des Kunstkreises zu vermitteln. Zweitens, es ist sehr anspruchsvoll und von hoher Qualität, weil zwei der drei Gründer des Magazins Seniorreporter bei CCTV (China Central TV) waren und dort schon über zeitgenössische Kunst berichtet haben. Der dritte von ihnen war Redakteur bei der Trends Magazine Group, eine der exklusivsten Modemagazingruppen in China. Das ist also eine Kombination von Expertise - sowohl aus dem Kunstkreis als auch aus dem Bereich der Magazinpublikation.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ja, es war Absicht. Einerseits nehmen wichtige Ausstellungen einen Hauptteil unseres Magazins ein. Andererseits ist es eine gute Möglichkeit, die An- und Wiedererkennung unseres Namens zu verbessern. Zusätzlich zu den Kunstmessen berichten wir auch von Ausstellungen der Topauktionäre, von akademischen Ausstellungen in Kunstmuseen und stellen die Profile und Arbeiten von Künstlern vor.

AfN: Das ist sehr gut, weil es ein tieferes Verständnis dessen erlaubt, was auf der Messe passiert. In dem Katalog gibt es nur ein Bild, das ist alles. Kein Text, keine Zusatzinformation.

Fang Fang: Ja. Der Messekatalog ist im Allgemeinen sehr einfach; es gibt nur eine Seite und keinen Fokus.

AfN: Gibt es da nicht einen Interessenkonflikt: als Herausgeber einerseits und als Galerist andererseits? Wie trennen Sie diese Bereiche?

Fang Fang: Ich kann sie sehr gut voneinander trennen. Ich überlege momentan, noch ein drittes Projekt anzufangen, nämlich die Einführung einer Website über Chinas Gegenwartskunst. Wir werden von Artfacts.net und Artnet lernen. Aber unsere Website wird auf Chinesisch sein, und sie wird der chinesischen Öffentlichkeit dienen.

AfN: Wir werden also zusammenarbeiten.

Fang Fang: Ja. - Jay Jopling, der Direktor des White Cube, arbeitet zusätzlich für ein BBC Programm. Er hat auch eine dritte Rolle als Komiteemitglied für den Turner Preis übernommen. Sie sollten wahrscheinlich lieber ihn fragen, wie er die drei Dinge, die er tut, voneinander trennt.

AfN: Der chinesische Kunstauktionsmarkt ist schwindelerregend. Aber in Bezug auf die kuratorische Anerkennung sind chinesische Künstler im Westen immer noch nicht sehr weit verbreitet. Meinen Sie, dass westliche Museumskuratoren der chinesischen Kunst genug Aufmerksamkeit entgegenbringen?

Fang Fang: Für Chinas Gegenwartskunst ist es - meiner Meinung nach - am wichtigsten, ein eigenes Wertesystem, ein eigenes Ökosystem, das von Künstlern bis hin zu Kunstgalerien, Museen und Medien reicht, zu etablieren. Die Existenz dieses Wertesystems liegt mir mehr am Herzen. In den letzten zehn Jahren hat sich Chinas Gegenwartskunst zu sehr an dem westlichen Wertesystem orientiert. Chinas eigenes Wertesystem wird in den nächsten zehn Jahren etabliert sein. Das wird dann der richtige Zeitpunkt sein, um über die westliche Sichtweise auf Chinas Gegenwartskunst zu diskutieren. Zu diesem Zeitpunkt ist es wohl vorerst mehr oder weniger zwecklos und bruchstückartig über die westliche Anerkennung der chinesischen Kunst zu sprechen.

AfN: Es wird als Teil des globalen Systems integriert sein.

Fang Fang: Ja. Nur unter der Bedingung, dass Chinas Gegenwartskunst ein eigenes Wertesystem hat, wird diese Kunst auch die wahre Anerkennung der westlichen Welt erhalten und in eine echte Kommunikation eintreten können.

AfN: Bei der Bewertung der Teilnahme an Biennalen haben wir herausgefunden, dass der Videokünstler Yang Fu-Dong der meistgezeigte Künstler in Europa und Amerika ist. Yang Fu-Dong ist im Jahr 1971 geboren, und Ihre Galerie repräsentiert u.a. die post-70er Jahre. Glauben Sie, dass die Künstler dieser Generation die neuen Shooting Stars sein werden?

Fang Fang: Meine Galerie konzentriert sich auf die (Kunst und Künstler der) post-70er Jahre. Ich denke, dass die post-70er Generation die kulturelle Renaissance in China hervorbringen wird.

AfN: Was macht diese Künstler so besonders?

Fang Fang: Ich erlebe sie täglich, und ich kenne ihre Details, ihre Eigenheiten. Aber es ist schon ausreichend, den Ausländern zu sagen, dass sie (die post-70er Generation) die Leute sind, die den sozialen Wandel in China wirklich erlebt haben (u.a. den Wandel des Wertesystems) nach der (von der Regierung durchgesetzten) Reform und der "Öffnung".

AfN: Sie sind aufgeschlossener.

Fang Fang: Das ist nicht so einfach. Sie haben einen dramatischen Wandel der (sozialen) Ideologie miterlebt und das in ihrer Jugendzeit, einer Phase, in der der Charakter und die Überzeugungen einer Person gebildet werden. Diese Erfahrung hat jeden Aspekt ihres Lebens beeinflusst, ihre Gedanken und Gewohnheiten. In ihren Arbeiten kann man die charakterisierenden Spuren finden, die diese Erfahrung hinterlassen hat.

AfN: In diesem Jahr nahm Ihre Galerie nicht an der Art Beijing teil. Gibt es einen besonderen Grund dafür? Was sind Ihre zukünftigen Pläne in Bezug auf Messeteilnahmen?

Fang Fang: Wir haben unseren eigenen Arbeitsplan. Wir haben gerade erst an der ShContemporary teilgenommen. Während der Art Beijing hatten wir die Eröffnung eines neuen Raumes. Es wäre uns zu stressig gewesen, zu all dem auch noch an der Art Beijing teilzunehmen. Das heißt aber nicht, dass wir in Zukunft nicht an der Art Beijing teilnehmen werden.

AfN: Auf welche zukünftigen Messen wollen Sie gehen?

Fang Fang: In der nächsten Woche werde ich den Antrag für die Aufstellungseinheit der Art Basel und für die Art Llista einreichen. Die Art Arco ist eine andere Messe, an der ich sehr gern teilnehmen möchte. In China wären es die ShContemporary, die Cige in Peking und die Art Beijing, an denen ich im nächsten Jahr teilnehmen möchte. Wir werden in dem Jahr auf drei oder vier Messen sein.

AfN: Lieber Herr Fang, vielen Dank für das Gespräch.

Fang Fang: Vielen Dank.

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