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Interview mit Michael Workman (Bridge Kunstmessen)


Michael Workman und Marek Claassen

AfN: Dies ist ein www.artfacts.net Interview mit Michael Workman, dem Direktor der Bridge Kunstmessen.
Guten Tag Michael.

MW: Hallo.

AfN: Dies ist die erste Bridge in New York...

MW: Das ist richtig. Es ist unsere Eröffnungsmesse und auch unsere erste vollständig eigenproduzierte Standmesse. Wir haben schon einmal eine Standmesse in Chicago organisiert, die aber von Merchandise Mart produziert worden war. Das war eine Zusammenarbeit.
Diese Show haben wir selbst zusammengestellt. Das ist eine von Anfang bis Ende durchgehend eigenproduzierte Standmesse.

AfN: Und wie ist es gelaufen?

MW: Sehr gut. Es gab von allem etwas: gute Verkäufe, gute PR - wie ja auch in dem New York Times Videostück erwähnt wird, Promis... Harvey Weinstein kam vorbei und kaufte ein Werk, und gestern war Marina Abramovic hier, um sich ein Performance-Stück vor Ort anzusehen...
Unsere Eröffnungsnacht war auch sehr gut. Amanda Lepore hat eine Performance aufgeführt, und einige Leute der alten New Yorker Nightlife-Szene kamen auch vorbei...

AfN: ...weil sie sich diese Location ansehen wollten...

MW: Genau. Dieser Raum hat Geschichte und war Teil des Limelight Club-Bezirkes. Damals wurden diese Nachtclubs von den Club Kids besucht, die den Geist von Warhol's "Superstars" wieder zum Leben erwecken wollten - Künstler, Musiker und andere Talente, die er fördern würde. Sie haben das also übernommen, durch Mode und Kunst neue Rollen, neue Persönlichkeiten erschaffen. Und der Raum hier gehörte ebenfalls zu jener Geschichte.

Heute ist er nicht mehr Nachtclub, doch die Geschichte bleibt, und sie war uns auch sehr wichtig. Es gibt eine schon länger bestehende Verbindung zur Kunst, und das wollten wir einbringen. Darum hat Amanda Lepore bei uns performt; sie ist ja auch ein Teil der gesamten Geschichte. Und auch Michael Musto von The Village Voice war hier. [...] Wir haben eine wundervolle Partnerschaft mit The Village Voice. Wir sind - wie sie - eine unabhängige Firma. Wir haben als "office artists" begonnen - wie jeder, der für die Firma arbeitet - und dann haben wir schon recht früh angefangen, Ausstellungen zu veranstalten. Das Ganze ist seitdem gewachsen, aber es geht nach wie vor um Entscheidungen über unabhängige Arbeiten. Village Voice hat einen ähnlichen Hintergrund - sie sind eine unabhängige Publikation - und wir dachten uns, dass das eine großartige Partnerschaft werden könnte.

AfN: Mir persönlich gefällt die Raumstruktur der Messe - die Location und die Tunnelsituation, die einen gewissermaßen dazu zwingt, an jeder Galerie vorbeizugehen. Wie ist die allgemeine Reaktion auf diese unkonventionelle Präsentationsweise ausgefallen?

MW: Ich glaube, die Leute mögen es, weil es ein einziger Gang ist. Man kann sich nicht darin verlieren. Es ist ein gerader, sehr langer Tunnelraum. Man kann durchgehen und sich alles "in einem Rutsch" ansehen. Den Leuten gefällt das, weil Armory sehr groß, fast zu groß, ist, und wenn sie hierhin kommen, können sie sich auch die Galerien in dieser Gegend anschauen, weil es auf ihrem Weg liegt und somit recht bequem ist.

AfN: Sie hatten einen Asien-Schwerpunkt auf der Messe und wollen auch in Zukunft Schwerpunkte setzen. Wie wählen Sie die Galerien dafür aus? Haben Sie einen künstlerischen Leiter?

MW: Zunächst einmal möchte ich hervorheben, dass das Schwerpunkt-Programm eine Identität für die Bridge ist. Wir sind stets darum bemüht, klar und deutlich unsere Zielsetzungen zum Ausdruck zu bringen. Es ist gewissermaßen ein geo-kultureller Schwerpunkt. Wir stellen einem geo-kulturellen Bereich das Werk eines anderen geo-kulturellen Bereiches vor, und das stützt sich in bestimmter Hinsicht auf die Geschichte von Biennalen, und auf das, was sie tun - in Venedig z.B. gibt es einen Pavillon für jedes Land, und sie stellen dort jeweils einen Künstler aus. Eine Art Olympische Spiele der Kunstwelt; es ist ein Wettkampf, denn jede Nation will den besten Künstler haben. Wir aber sagen: "Wir können das doch gemeinsam machen! Eure Kultur kann wachsen und lernen, indem sie die Lektionen anderer Kulturen in sich aufnimmt." Der Schwerpunkt ist ein Ausstellungselement, das zu der [Gesamt]Mission gehört - nämlich aufstrebende und zeitgenössische Werke auszustellen.

Wir als Mitarbeiterstab sind in den Entscheidungsprozess involviert, wie auch die Galerien, z.B. Toomey Tourell Gallery aus San Francisco [...]. Wir arbeiten auch mit anderen Leuten. Es ist wie eine Zusammenkunft von Künstlern, die sich darüber unterhalten, was ihnen gefällt. Das ist unser Ansatz.

AfN: Bei der Interview-Vorbereitung bin ich auf zwei Interviews gestoßen, die mir besonders gefallen haben - das eine war mit www.artfairsinternational.com, und das andere findet man unter www.chicagoartistresource.org. Ich war sehr überrascht von Ihrer Offenheit und Freimütigkeit in Bezug auf Misserfolge und Erfahrungskurven. Befürchten Sie dabei nicht, Insidertricks zu verraten?

MW: Überhaupt nicht. Ich glaube nicht, dass es welche gibt. Es geht letztendlich nur darum, sein Wissen zu erweitern und aktiv, diszipliniert, engagiert in der Kunstwelt zu sein. Man muss Wege finden, um das, was man tut, noch verbessern zu können. Man lernt aus Niederlagen. Wenn man Erfolg hat, dann lernt man nicht so viel.
Es gibt immer diese kleinen Verbesserungen; man denkt sich "ok, das habe ich nicht richtig gemacht. Ich gehe also zurück an den Anfang und überlege mir, wie ich es besser machen kann". Das ist ein fruchtbarer Boden für neue Ideen.

AfN: Aber das ist auch in gewisser Weise einzigartig, weil eigentlich jeder von sich behauptet, der Beste zu sein und die beste Kunst zu besitzen...

MW: Aber das ist ja gar nicht möglich. Alle Menschen machen Fehler; das gehört eben dazu. Wenn man sagt, dass man Probleme, Schwierigkeiten mit der Show hat, dass man sie gern besser machen würde, dann kommen die Leute einem auch zu Hilfe. Es gibt eine Empfänglichkeit dafür; es meldet sich jemand, der sagt "da könnte ich weiterhelfen", und schon arbeitet er mit uns zusammen. So kommt man in Kontakt.

Es geht in gewisser Weise auch um das Organisieren einer Gemeinde. Der geo-kulturelle Aspekt besteht - für uns - auch darin, dass man damit anfangen kann, das Gesamtbild, die größeren Zusammenhänge wahrzunehmen - ein Netzwerk mit verschiedenen Städten, verschiedenen Arten, in denen diese Städte zusammenarbeiten... Es braucht schon einiges, damit man behaupten kann, die eigene Stadt sei die beste. New York ist nur dann am besten, wenn es der Stadt gelingt, alle Menschen hierhin zu holen und international zu sein. Das ist New Yorks Besonderheit. Für uns ist das eher eine internationale Stadt, weniger eine amerikanische Stadt. Wir gehen auf diese [großen] Messen und sagen "hier machen wir unsere Messe" - das liegt wohl daran, dass es da eine Art Übergang zwischen diesen internationalen Kulturen gibt, die an einem einzigen Ort zusammenkommen. So haben wir uns dann für New York, London, Miami entschieden.

Man sieht die Weltgemeinschaft, und das ist uns wirklich wichtig, weil Künstler heutzutage so arbeiten. Ein Künstler in Phoenix, Arizona, macht ein Objekt für jemanden in Barcelona. Das ist ein neuer internationaler Markt - nicht, dass der Markt nicht schon immer international gewesen wäre - er funktioniert jetzt aber anders. Künstler und Galerien, vor allem in den USA, sind noch dabei, das zu lernen, es aufzubauen. Wir können daran teilhaben und dabei behilflich sein, [diesen Schritt] der kulturellen Veränderung zu machen. Das ist spannend.

AfN: Nach Ihrer Arbeit als Herausgeber haben Sie relativ spät angefangen, in dem Markt der Satellitenmessen mitzumischen. Sie sagten, Sie seien fasziniert gewesen, als Sie Miami zum ersten Mal besucht hätten. Dann haben Sie das Gramercy Hotel Modell für Ihre Messe übernommen. Warum haben Sie sich dafür entschieden, einen ausgetretenen Pfad zu betreten?

MW: Das machen wir zwar einerseits, aber andererseits haben wir auch verschiedene Programme. Wir haben die Hotelmessen nicht aufgegeben. Wir machen noch die Standmessen. Aber die Berlin-Shows [mit den Wohnungen] - das hat es vorher nicht gegeben. Das ist also ganz anders. Man sollte sich fragen "Was gibt es da draußen?". Man sieht sich also das an, was es gibt, und fängt dann an, über Neuerungen, Änderungen des bereits Bestehenden nachzudenken, weil es ja eine [Kunst-]Gemeinde gibt, die praktisch dazu [zu den etablierten Einrichtungen] gehört. Man möchte sich einen Zugang zu dieser Gemeinde verschaffen, aber man möchte natürlich auch mehr als nur das. Doch es braucht Zeit. Man muss sehen, wie man in verschiedene Richtungen drücken kann, und welche neuen Konzepte aus dieser Erfahrung gewonnen werden können. Wir probieren neue Dinge mit den alten Modellen aus und versuchen, diese dann zu erweitern und zu erneuern.

Für uns ist der nicht-traditionelle Raum ein wichtiger Teil davon. Das Gramercy Modell war in diesem Zusammenhang ein selbstverständliches Modell. Es war eine Möglichkeit, die Sammler anzulocken. Es war ja als eine Marktgeschichte angelegt. Einerseits will man also das, andererseits will man aber auch ein kulturelles Element, das den kommerziellen Denkansatz, sowie die Art und Weise, wie man Werke sammelt, wie Museen eingebunden werden... ändern kann. Man muss also mit dem anfangen, was bereits etabliert ist, und dann kann man das Rad neu erfinden.




Marek Claassen und Robert Mason von Beijing Central Art Gallery


AfN: Vor wenigen Jahren befragte ich Amanda Sharp von der Frieze zum Thema "Satellitenmessen", und sie meinte, es gebe nicht genug Sauerstoff für alle. Im Gegensatz dazu haben wir eine gewaltige Steigerung der Messeaktivität in den letzten Jahren feststellen können. Haben Sie als erfahrener Manager den Eindruck, dass eine Art Verdrängung unter den kleineren und größeren Messen stattfindet? Oder gibt es - Ihrer Meinung nach - noch Platz für andere Messen und für Ihr eigenes Wachstum?

MW: Das ist interessant. Die Zielmessen - wie Armory, Frieze oder Miami Basel - können sich ebenfalls verändern und noch wachsen. Diese Messemodelle existieren aufgrund eines kulturellen Fundaments, das sich auch verändern kann. Und was sie als Veranstaltungsereignisse oder als globale Zieladresse für die Kunstwelt tun, muss sich ebenfalls verändern. Ich glaube, es tauchen jetzt verschiedene Satelliten auf, aber [dieses Phänomen] basiert auf etwas, das vor einigen Jahren passiert ist - nämlich der plötzliche Kunstmarktrausch. Den gibt es inzwischen aber nicht mehr, zumindest nicht in dem Ausmaß.

Gibt es also genug Platz für mehr Messen? - Ja, aber es hängt davon ab, inwieweit sich diese Messen an das wechselnde Klima und an die Kunstkultur anpassen, und was in globaler Hinsicht damit geschieht. Man muss sich bewegen, man muss mit den Veränderungen mithalten können. Alle Messen werden sich immer verändern. Doch es wird immer Veranstaltungen wie diese geben. Es gibt eine lange Geschichte, die weit zurück geht bis zu antiken Messen, und auch [eine Geschichte von der] Organisationsweise von Galerien in Stadtvierteln. Das war in dem gesamten Geschichtsverlauf nie gleich bleibend. Es hat sich immer verändert und angepasst.
Mit den Satellitenmessen hat es eine besondere Bewandtnis. Wenn man einen Stein wirft, und der Stein trifft eine Spitze, dann steigt er noch aufwärts - er bewirkt aber einen Welleneffekt, wenn er auf Wasser trifft. Diese Städte versuchen jetzt, das als eine Identität hervorzutun, um ein städteweites Kulturereignis zu veranstalten, und das ist ein Marktsprössling, der auf allem wächst, was es während des ganzen Jahres über gibt - seien das nun Galerien, Performance-Kunst-Veranstaltungen, was auch immer...

Mehr und mehr Leute kommen dazu, und ich glaube, das ist gesund. Das heißt, dass sie experimentieren, Risiken eingehen und versuchen, die Kunstkultur voranzubringen. Solange es dafür Unterstützung gibt, ja - ich denke, das wird es immer auf verschiedene Arten und Weisen geben, wenn sich das Modell etwas verändert.

AfN: Als ich dieses Interview in der "chicago artists resource" gelesen habe, wo Sie über die Fallstricke der Veranstaltungsorganisation sprechen, dachte ich mir: Sind es wirklich die organisatorischen Fähigkeiten, die die Konkurrenz außer Gefecht setzen, oder ist es etwas Anderes?

MW: Zurzeit, mit dem sich verändernden Markt, mussten viele Messen schließen. Art D.C. ist gestrichen, die Pulse hat ihre London-Ausgabe gestrichen... Auch kleinere Projektmessen - wie etwa die Messe im Jupiter Hotel in Portland, Oregon - haben angekündigt, dass sie nicht weitermachen werden. Am vorderen Ende wird man Shows sehen, die sich an den Markt anpassen, und man wird auch sehen, was das im Hinblick auf die kulturelle Wirkung bedeutet. In New York City hat die Fountain Messe in diesem Jahr ihre Show gestrichen.

Es werden also weitreichende Entscheidungen getroffen. Am vorderen Ende wird das [diese Entwicklung] wahrscheinlich positiv gewertet, weil das bedeutet, dass der [Kunst-]Rausch ein wenig abklingt. Man wird Leute los, die einfach nur Projekträume präsentiert haben, die zeigen wollten, wie sie ihre Werke ausstellen würden. Und für einige dieser Projekte ist es gesund, einen Schritt zurückzugehen und das Ganze neu abzuschätzen.

AfN: Ich muss auf das Thema "Organisation" zurückkommen. Als ich mir Ihr Marketingmaterial wie Pressemitteilung und Katalog angesehen habe, war ich sehr von der Professionalität beeindruckt, mit der Sie Ihre Mission präsentieren: zum Beispiel im Hinblick auf das Firmenimage und auf die Präsentationsweise sehr interessanter Kernfakten (Daten, Schauplätze, allgemeine Besucherzahlen, Sammler- und VIP-Teilnahmen, Galerien, erwartete Umsätze). Wie sind diese gut herausgearbeiteten Strukturen und Konzepte entstanden?

MW: Das ist in unserem Büro entstanden - durch unsere Bemühung um die Präsentation eines guten Marketings und einer guten PR-Arbeit. Wir haben dafür eine Vollzeitstelle besetzt - mit Brenda Schumacher, die ein Marketing- und PR-Profi ist, und die an anderen Organisationen beteiligt war wie etwa an den Gay Games in Chicago. Dieser Aufwand ist nötig, aber nicht unbedingt gleich wichtig für alle Organisationen. Ich glaube, man kann auch ohne einen solchen Marketingaufwand eine Messe im Jupiter Hotel oder kleinere Veranstaltungen wie die Fountain auf die Beine stellen.
Aber wir haben eine sehr große Show. Es wurde viel hineininvestiert, Firmensponsoring etc. Wir gehen es organisatorisch eben so an. Wir brauchen all das; wir müssen uns darum bemühen, unsere Mission klar zu formulieren und sie unserem Publikum zu kommunizieren.

AfN: Und das ist Ihnen gelungen, wie ich finde. Es gibt eine sehr klar erkennbare Botschaft...

MW: Vielen Dank. Wir geben uns viel Mühe, denn wenn wir uns für unsere Messe einen Platz in der Geschichte wünschen, dann müssen wir auch eine Identität haben, ein Image, einen Ruf [...]. Man muss dazu in der Lage sein zu sagen, welches Ziel man im kulturellen Gesamtkontext anstrebt. Das tun wir. Wir müssen die Botschaft ganz klar zu Papier bringen, sie mit der Presse, mit unseren Kunden, Galerien, Sammlern, Museen besprechen, und diese sehen dann einen Platz, eine Rolle für uns in der Welt; sie sehen eine Möglichkeit für uns, nützlich zu sein. Auch jenseits des rein kommerziellen Aspekts gibt es einen gewissen Schnittpunkt der globalen Kultur, den wir präsentieren möchten. Das ist einzigartig. Wir entwickeln es weiter, machen es größer, und wir haben Anleihen bei bestehenden Marktmodellen gemacht, die es uns ermöglichen, den Kunden entgegen zu kommen...

Es gibt aber auch diesen anderen Aspekt: Man geht in Museen und in Privatsammlungen, die dazu beitragen, einen Künstlernamen bekannt zu machen. Es kommt eine neue Künstlergeneration, und deshalb kommen auch Leute wie Marina Abramovic vorbei und schauen sich diese jungen Künstler an. Andere Künstler bemerken, dass man nicht, wie eine Insel, allein da steht. Es gibt einen Horizont der Verständlichkeit, der jeden [Menschen] mit allen verschiedenen Bemühungen und Anstrengungen, die wir zusammentun, verbindet. Wenn wir für Galerien von Nutzen sein können, wenn wir einzelnen Künstlern und auch der Kunst der Straße von Nutzen sein können, dann gibt es eine Möglichkeit, all das miteinander zu verbinden. So wird die gesamte Kunstwelt hervorgebracht und ihre [Entwicklungs-]Richtung beeinflusst.

Uns gefällt die Vorstellung, dass das auf eine eher kooperative, verständnisvolle Weise geschieht - es geht nicht nur darum, ein Kunstobjekt zu kaufen, nur weil es einen gewissen Status hat, oder weil es auf Auktionen einen bestimmten Preis erzielt - wir wünschen uns, dass die Leute Kunstwerke kaufen, weil sie ihnen gefallen, und weil sie ihnen etwas bedeuten. Kunst als eine Offenbarung ist wertvoll, und ich glaube, dass wir das auch kommunizieren. Wir sagen "Schau dir das Werk einer anderen Kultur an und versuche, den [kulturellen] Usus zu verstehen, aus dem es entstanden ist. Dann kann es [das Kunstwerk] auch deine eigene Kultur bereichern".

AfN: Ich wurde neulich in einem Interview gefragt, ob es von Interesse sei, woher der Wiederanstieg der Kunstnachfrage komme. Ich konnte diese Frage nicht beantworten. Haben Sie eine Ahnung, warum die Kunstnachfrage derart ansteigt?

MW: Ich glaube, in schwierigen Zeiten - wenn es Kriege gibt, Isolationismus, wenn all diese schrecklichen Dinge in der Welt passieren - bereichert Kunst den Geist und gibt Hoffnung. Kunst zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, die Probleme zu verstehen. Amerika ist eine Supermacht; sie hat ihre Niederlagen in der Welt, und von diesen Niederlagen muss man lernen. Es gibt Dinge, von denen wir lernen können; unter denen wir als eine Nation und als eine Weltgemeinschaft jetzt leiden. Ich glaube, Kunst ist ein Instrument zur Bereicherung des Geistes.

AfN: Und das gilt für jeden, der hierhin kommt. Sie alle wollen diese Erfahrung mit nach Hause nehmen.

MW: Genau, ich glaube, das ist für jeden so - ganz egal, aus welchem Teil der Welt er kommt.

AfN: Ja, das ist interessant. Es ist ja tatsächlich ein globales Phänomen, in Asien, hier...

MW: Überall. In der letzten Zeit ist die Lage sehr schlecht. Es gibt Unterdrückungen usw. - das sind Herausforderungen für die Menschen. Kunst ist eine andere Weise, Dinge zu begreifen - anders als die Wissenschaft.

AfN: Eher unterbewusst....

MW: Vielleicht so etwas in der Art. Es ist schwer zu beschreiben, wie es funktioniert.




Artfacts.Net Stand auf der Pulse Art Fair 08


AfN: Erzählen Sie mir etwas über London, Berlin, Miami.

MW: Sowohl Miami als auch London sind Hotel-Shows.
London, am Trafalgar Square, südlich vom Piccadilly Circus [...], das schöne, von Philippe Starck [gestaltete] Fünf-Sterne-Hotel mit einem wundervollen Restaurant und Nachtclub, sehr schönen geräumigen Zimmern mit Blick auf den Trafalgar Square - das wird unsere nächste Show während der Frieze sein.

Zwei Wochen später findet das Art Forum Berlin statt, und das wird eine ganz andere, sehr einzigartige Show für uns werden. Wir haben ein ganzes Wohnhaus abgesichert; wir werden jede der Wohnungen als Galerienraum zur Verfügung stellen. [...] Es gibt auch ein wundervolles Restaurant direkt nebenan, das White Trash Restaurant und die Diamond Lounge, die ein großartiger Performance-Raum ist. Wir überlegen uns auch schon Performance-Ideen. Es ist in Mitte, ein kleiner Streifen. Das ist wirklich einzigartig. Ich glaube nicht, dass es eine solche Wohnhaus-Show schon einmal gegeben hat.

Und in Miami ist es dann wieder eine Hotel-Show. Sie findet in der Collins Avenue statt, zwei Häuserblocks von Basel entfernt. Das ist eine laufende Ausstellung für uns, eine sehr gute übrigens. Sie wird in dem Catalina Hotel und in dem Maxine Hotel gezeigt, also in zwei Hotels.

AfN: Welchen Eindruck haben Sie von dem diesjährigen Kunstmarkt?

MW: Er ist definitiv ein bisschen schwächer. Darum sind wir jetzt bei den Top-Märkten, weil man da sein muss, wo die höchste Sammlerdichte vorzufinden ist. Und die Kunstgemeinde, die Besucher, Museumsleute, Sammler, die Presse - sie alle müssen da sein, wo sie einen finden können. Das war jetzt New York, dann Miami - noch immer gut, London und Berlin.

AfN: Lieber Michael, vielen Dank für das Gespräch.

MW: Es war mir ein Vergnügen.


Interview Marek Claassen
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