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Studio Olafur Eliasson – Eine Buchbesprechung


Elefantenfoliant nennt man im Buchhandel übergroße und umfangreiche Bücher, die gleichzeitig imposant im Format wie auch unhandlich in der Benutzung sind. Auffällig sind sie allemal, und schwer. Der Taschen Verlag hat diesem Buchformat in den vergangenen Jahren vermehrt Aufmerksamkeit gewidmet und einige solcher bibliophilen Bände herausgegeben, u. a. über Nobuyoshi Araki, Helmut Newton, Diego Rivera und Michelangelo. Eine eher seltene Verlagsleistung, die wohl auch der persönlichen Leidenschaft des Verlegers Benedikt Taschen für Kunst im Allgemeinen und zeitgenössische Kunst und Architektur im Besonderen zu danken ist. Aktuell ist dem Dänen Olafur Eliasson die Ehre des Großformats zuteil geworden. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Studio Olafur Eliasson – An Encyclopedia“ ist gut gewählt, denn mit seinem populären Außenprojekt „The New York City Waterfalls“ erregt er derzeit auch außerhalb der Kunstszene einiges Aufsehen.

So breitenwirksam wie die künstlichen Wasserfälle, die der Einundvierzigjährige am East River in Manhattan und Brooklyn installiert hat (www.nycwaterfalls.org) sind jedoch nur wenige seiner Werke. Die meisten seiner Arbeiten sind für Galerien, Kunstvereine, Museen, Sammlungen und temporäre Ausstellungen gemacht und verbleiben im engen Kreis einer eingeschworenen Kunstgemeinde. Dass dies so ist liegt am Charakter der Objekte, Environments und Rauminszenierungen, die an den Grenzen zum physikalischen Experiment, zur Architektur und zum Landschaftsbau angesiedelt und oft ortsbezogen sind. Nach Ausstellungsende werden viele dieser Werke abgebaut und übrig bleiben Erinnerungen, Presseartikel und Fotografien bzw. Filme. Es ist daher ein Glücksfall, dass Eliasson und Taschen nun den Versuch einer Sammlung unternommen und den Kunsthistoriker Philip Ursprung als Autor gewonnen haben. Entstanden ist ein wunderbares Lese- und Bilderbuch, dass sowohl visuellen als auch intellektuellen Bedürfnissen gerecht wird. Auf über 500 Seiten entfaltet sich ein künstlerisches Euvre das in dieser Reichhaltigkeit und Kraft bisher nur Insidern bekannt sein dürfte, das aber ganz klar zu einem der aufregendsten in der zeitgenössischen Kunst zu zählen ist.

In alphabetischer Reihenfolge hat Eliasson 26 Kapitel konzipiert denen jeweils ein Begriff vorangestellt ist, anhand derer Exkursionen in sein Schaffen unternommen werden. Diese Begrifflichkeiten – Architecture, Beauty, Color, Democracy, Experiment usw. – sind Türen, die in das Atelier des Künstlers führen, zu seinen Ideen, seinen Konzepten, zu fertigen Kunstwerken und noch unvollendeten Experimenten, zu Materialsammlungen und zum Archiv. Die Fülle des Text- und Bildmaterials ist überbordend aber nicht ermüdend, zeigt jedoch, wie schwer es ist, das Schaffen dieses Künstlers wirklich in all seinen Facetten erfassen zu können. Hilfreich sind bei diesem Unterfangen die ebenfalls den Buchstaben zugeordneten Gespräche zwischen Eliasson und Ursprung, die so den Urheber bzw. Initiator all dieser Schöpfungen zu Wort kommen lassen.

Dem Buch vorangestellt ist ein ausführlicher Essay von Philip Ursprung, in dem er über das Berliner Atelier Eliassons berichtet und präzise beschreibt wie dort erforscht, entwickelt und produziert wird. Aufgezeigt wird der Werkstatt- und Laborcharakter dieses Kunstunternehmens, das derzeit knapp fünfzig Mitarbeiter beschäftigt, vom Architekten und Ingenieur bis zum Künstler, Archivar und Sekretär. Es wird deutlich, wie wichtig für Eliasson eine engagierte und teilweise selbständig Ideen entwickelnde Mannschaft ist, ohne die er kaum seine derzeitige starke Position in der Gegenwartskunst behaupten könnte. Es ist das Team, welches das Studio Eliasson so erfolgreich sein lässt. Und dem nun in Form dieses Buches ein Denkmal gesetzt wurde.

Jens Pepper

www.taschen.com

(29.9.2008)

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