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KIAF 2008 - Interview mit Jong Hyo Cheong


Safia Dickersbach und Jong Hyo Cheong

Dies ist ein Artfacts.Net Interview mit Herrn Jong Hyo Cheong, dem Direktor der Galleries Association of Korea - des koreanischen Galerienverbandes, der die Kunstmesse KIAF in Seoul organisiert.

AfN: Guten Tag Herr Cheong. Wie geht es Ihnen?

Cheong: Gut, bin nur etwas müde.

AfN: Herr Cheong, könnten Sie uns ein wenig über Ihren Werdegang erzählen? Wie sind Sie Messedirektor geworden?

Cheong: Ich habe Malerei im Hauptfach studiert und bin dann für den Masterstudiengang nach Japan gegangen. Nach dem Abschluss habe ich dort als Kurator gearbeitet und eine Galerie gegründet. Die Galerie wurde vor etwa 3 Jahren eröffnet. Es wurden dort junge Künstler aus Korea, China und Japan vorgestellt. Währenddessen wurde mir die Stelle als Geschäftsführer des Japan Art Forum, einer NGO, angeboten. Ich habe die Arbeit in der Galerie und die Arbeit für das Japan Art Forum miteinander verbunden. Anschließend bin ich nach Korea zurückgekehrt.

AfN: Im Hinblick auf Verantwortung und Arbeitsplan gibt es wahrscheinlich einen großen Unterschied zwischen dem, was Sie vorher gemacht haben, und dem, was Sie jetzt tun.

Cheong: Es ist schon in mancherlei Hinsicht verschieden, es gibt aber auch gewisse Aspekte, die ähnlich sind. Meine Galerie hat an der KIAF 2002 in Busan teilgenommen - in demselben Jahr, als ich die Galerie gegründet habe. Auch an der 2003 Ausgabe habe ich teilgenommen. Mit einem alternativen Ansatz war es schwierig, die Galerie in Japan weiterzuführen, und unmöglich, die Künstler finanziell zu unterstützen. Um diese Probleme zu lösen und den potentiellen Kundenkreis der Galerie zu erweitern, nahm ich an den KIAF-Ausgaben 2002 und 2003 teil. An der 2004 Ausgabe konnte ich nicht teilnehmen. Als ich dann das Galerienmanagement mit der Arbeit als Geschäftsführer des Japan Art Forum kombinierte, fragte man mich, ob ich nicht die Aufgabe übernehmen wolle, die KIAF in Korea zu leiten. Ich habe das Angebot angenommen und angefangen, hier zu arbeiten. Das war vor 3 Jahren.

Einer der Hauptgründe für die Übernahme der Aufgabe war nicht allein die Tatsache, dass ich mir über die Kunstsituation in Korea nicht ganz im Klaren war, sondern auch die Tatsache, dass die Kunstmesse sich noch nicht erfolgreich etabliert hatte, wie man leicht an der eher mäßigen Messebeteiligung erkennen konnte. Diese Punkte festigten den Willen in mir, eine erstklassige Kunstmesse in Korea zu organisieren.

AfN: Herr Cheong, die KIAF Kunstmesse wurde im Jahr 2002 von der Galleries Association of Korea etabliert. Warum?

Cheong: Ich wusste bereits sehr gut über die KIAF bescheid, obwohl ich damals noch nicht involviert war; aber ich hatte ja ein paar Mal teilgenommen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Galerien in dem koreanischen Kunstmarkt bis ungefähr 1995 sehr aktiv waren. Die meisten Büroräume im Insa-dong Bezirk z.B. waren damals noch Galerien. Darum gab es keine Auktionen oder Kunstmessen. Die Seoul Kunstmesse, die seit 26 Jahren stattfindet, ist keine echt internationale Kunstmesse, weil nur die Mitglieder der Galleries Association of Korea teilnehmen können. Die Seoul Auction begann 1998, fand folglich auch zu der Zeit noch nicht statt.
1996 und 1997 stand Korea unter dem IWF-System, was einen Zusammenbruch des koreanischen Kunstmarktes und der gesamten koreanischen Wirtschaft auslöste.
Die Schließung zahlreicher Galerien, bis zum Jahr 2000, war die Folge. Somit konnten nur wenige Galerien an internationalen Kunstmessen wie etwa an der Art Cologne in Deutschland oder an der FIAC in Frankreich teilnehmen. Die Galleries Association of Korea suchte nach Methoden, um die Wirtschaft und den Kunstmarkt wiederzubeleben, und war [nach den internationalen Messeerfahrungen] davon überzeugt, dass auch in Korea eine Kunstmesse veranstaltet werden sollte. Seit 1998 hielt die Seoul Auction also an dieser Idee fest. Um den stagnierenden koreanischen Kunstmarkt wiederzubeleben, eröffnete die Galleries Association of Korea schließlich die KIAF - die Hauptteilnehmer waren Galerien aus Korea, allesamt Mitglieder des Verbandes.

AfN: Die KIAF ist umgeben von anderen asiatischen Messen wie etwa Art Taipei, SH Contemporary, Art Beijing, Art Singapore. Glauben Sie, dass diese Veranstaltungen die Existenz der KIAF bedrohen?

Cheong: Das kann sowohl einen guten als auch einen schlechten Einfluss auf die KIAF haben, doch im Großen und Ganzen ist es doch wohl eher positiv zu bewerten. Ich bin zufrieden, weil die KIAF gute Kritiken bekommen hat - sie sei unübertroffen in Qualität und Größe, verglichen beispielsweise mit der Art Singapore, der Shanghai Art Fair, der CIGE in China, der Art Beijing oder der Art Fair Tokyo. Es wird gesagt, dass die SH Contemporary und die Hong Kong Art Fair ernsthafte Konkurrenten der KIAF sein könnten. Ich glaube nicht, dass diese Messen überhaupt vergleichbar sind, da es zwischen ihnen ganz deutliche Unterschiede gibt - die Art der Kunstwerke, die Denkansätze oder die an das Kunstpublikum gerichteten Programme sind sehr verschieden. Gerade auch weil die beiden erwähnten Kunstmessen von ausländischen Direktoren geleitet werden, kann die KIAF in Korea langfristig wohl als stabiler betrachtet werden.

AfN: Die KIAF stellt etwa 200 Galerien vor. 2007 waren es etwa 190, 2006 etwa 150. Die internationalen Top Ten Kunstmessen haben im Durchschnitt 170 Galerien. Wo ist Ihre Grenze?

Cheong: Wenn wir die gleiche Form des letzten Jahres angewandt hätten, wären wir in diesem Jahr nicht bei 218 - wie es zurzeit der Fall ist - sondern bei 240 Teilnehmern. Wir haben die Anzahl reduziert, weil die KIAF sich von jetzt an qualitativ verbessern muss. Die kleinste Standeinheit des letzten Jahres wurde herausgenommen und durch die zweitgrößte Standeinheit ersetzt. Die Grenze liegt wohl bei 200. Wir haben sie also bereits erreicht. Die Galerienanzahl wird im nächsten Jahr wahrscheinlich sogar noch schrumpfen - zumindest sollte sie eher schrumpfen als zunehmen. Die Qualität der Messe muss sich inhaltlich steigern, die Anzahl an guten Galerien, die gute Arbeiten zeigen, muss zunehmen - das ist unser Auftrag.

AfN: In diesem Jahr finden zwei koreanische Biennalen, in Busan und in Gwangju, zur gleichen Zeit wie die KIAF statt. Wie stehen Sie zu diesen Veranstaltungen?

Cheong: Der Hauptgrund für den Terminwechsel der KIAF - von Mai im letzten Jahr auf September in diesem Jahr - war die Aussicht auf den Austausch synergetischer Effekte mit den Biennalen in Gwangju und in Busan. Wir konnten nicht viel ausprobieren, weil es das erste Mal war. Wir haben aber Werbeanzeigen und Marketing[strategien] mit Busan ausgetauscht und Werbung für die neuen Programme gemacht - "3 for VIP", ein Programm für Besucher der Art Taipei, der Shanghai Art Fair und der KIAF. Programmaustausche oder inhaltliche Austausche werden wohl im nächsten Jahr stattfinden. Wegen der Gerüchte darüber, dass die Gwangju Biennale ebenfalls eine Kunstmesse veranstalten wolle, hat die KIAF es vorgezogen, die Werbung mit ihr nicht von Anfang an einzubringen.

[…]

AfN: 2008 ist ein schlechtes Jahr für das weltweite Finanzsystem. Die KIAF ist nun beendet. Wie war Ihr Eindruck? Ist die koreanische Kunstwelt von dem Finanztumult betroffen?

Cheong: Wir nehmen an, dass die Käufe in diesem Jahr leicht zurückgegangen sind. Aber wir sehen es auch als selbstverständlich an, dass die schlechte wirtschaftliche Bedingung eine schädigende Wirkung nicht nur auf die KIAF, sondern auf alle anderen Kunstmessen hat - das ist die Kunstwelt. Das Gute an der KIAF ist aber auch, dass wir in den letzten zwei Jahren eine wachsende Anzahl an neuen aufstrebenden Sammlern beobachten konnten. Die Tatsache, dass es im Vergleich zum letzten Jahr bei in etwa der gleichen Besucherzahl geblieben ist, zeigt, dass das öffentliche Interesse an solchen Sammlungen und an der Kunst selbst unverändert geblieben ist, sogar in Zeiten einer relativen wirtschaftlichen Depression. Wir sollten sogar sagen, dass die Anzahl an neuen Sammlern, die in dem letzten Jahr erst angefangen haben, sogar stetig ansteigt. Zudem hat sich die Anzahl der "gewöhnlichen Publikumsbesucher" erhöht, wohingegen in diesem Jahr - im Vergleich zum letzten - weniger studentische Besucher gekommen sind. Die Anzahl an ausländischen Gästen ist ebenfalls beachtlich gestiegen, wir gehen also davon aus, dass die Anzahl der KIAF-Besucher mit einem echten, tiefgehenden Interesse jährlich zunehmen wird.

AfN: Kann der Kunstmarkt noch weiter wachsen? - Wenn ja, welche Sektoren des Kunstmarktes bieten, Ihrer Meinung nach, die größten Chancen?

Cheong: Der Kunstmarkt in Korea ist bis zum Ende des letzten Jahres gewachsen; da wurde ein Höhepunkt erreicht. In diesem Jahr ist ein leichter Rückgang zu beobachten. Ich glaube nicht, dass es steil bergab gehen wird - die Entwicklung zeigt vielleicht eher, dass die meisten Käufer und Investoren des letzten Jahres wahrscheinlich weniger kunstverständig waren. Der künstlerische Standard der Käufer hat sich deutlich verbessert. Das wird offensichtlich, wenn man sich die Tendenz der effektiven Verkäufe nach der letzten KIAF im September ansieht. Im letzten Jahr wurden eher Arbeiten gekauft, die als modisch, als "in", betrachtet wurden - in diesem Jahr waren die Verkaufsschlager von höherer Qualität.
Auf der Grundlage dieses Standardwandels nehmen wir an, dass der Kunstmarkt weiterhin aufblühen wird. Die Schnitzkunst hat bisher einen schwachen Trend in Korea angezeigt, während der der Malerei relativ stark war. Bisher war die Fotografie allgemein nicht sehr anerkannt; sie hat aber auch inzwischen mehr Anklang gefunden. Wir glauben, dass die Schnitzkunst möglicherweise eine Renaissance erleben wird - je nach dem, was die Künstler präsentieren werden, nachdem sie sich den Malerei-orientierten Kunstmarkt angesehen haben. Ein weiterer bedeutender Markt ist der der orientalischen Malerei. Es gibt noch Möglichkeiten der Verbesserung, obwohl viele Techniken und Themen westlicher Werke bereits in die orientalische Malerei eingeführt wurden. Auf diese Weise könnte durch die Verbesserung der Kunstqualitäten ein neues Kunstgenre entstehen.

AfN: Es gibt weltweit nur zwei Messen, die ein Gastland vorstellen. Das sind die KIAF und die ARCO. Was erwarten Sie sich von der 2009 Ausgabe, insbesondere mit Indien als Gastland auf der KIAF?




Artfacts.Net auf der KIAF 2008


Cheong: Das Gastland der KIAF 2008, die Schweiz, ist durch die Art Basel bekannt für seine führende Rolle in der internationalen Kunstwelt. Wie genau die Schweizer Kunst allerdings aussieht, oder was ihre Einflüsse sind, ist kaum bekannt. Das ist der Grund, warum wir die Schweiz in diesem Jahr eingeladen haben. Der asiatische Kunstmarkt weist eine ganz ähnliche Geschichte auf. Die Welt denkt an den chinesischen Kunstmarkt, wenn man allgemein vom asiatischen Kunstmarkt spricht, obwohl China, Japan und Korea den asiatischen Kunstmarkt bilden. In diesem Zusammenhang, in Anbetracht der Größe und der Vision des Marktes, sollte man sich auch mit der indischen Kunst auseinandersetzen. Darum haben wir Indien als Gastland für das nächste Jahr vorgesehen. Wir werden uns auf der KIAF intensiv mit dem Potential und den verschiedenen Formen der indischen Kunst befassen.
Im Hinblick auf die Präsentationsform werden wir uns entweder für eine Sonderausstellung oder für ein Forum entscheiden. Wir werden den indischen Kunstmarkt gründlich erforschen, sobald die KIAF 2008 nachbereitet ist. Es stimmt, dass es nicht viele professionelle Kunstmagazine oder Galerien in Indien gibt, aber wir werden direkt Kuratoren rekrutieren, in der Hoffnung, damit so viele Kunstwerke wie möglich von unbekannten talentierten Künstlern, die noch keine Galerieverbindung haben, vorstellen zu können. In Anbetracht dessen, wie viele der wichtigsten japanischen Galerien zur Messe gekommen sind, und auch in Anbetracht der Pläne für eine neuartige Präsentationsform der chinesischen Kunst im nächsten Jahr, und wenn Indien zudem noch als Gastland erfolgreich sein wird - dann wird die KIAF dazu in der Lage sein, sich in eine Kunstmesse zu verwandeln, die die bedeutendsten Galerien und Künstler Asiens wird vorstellen können.

Am Anfang gab es keine Galerien auf dem chinesischen Kunstmarkt; die ausländischen Galerien fingen irgendwann an, dort ihre Geschäfte aufzunehmen, sogar noch bevor die chinesischen Galerien selbst aktiv wurden. Darum ist der chinesische Kunstmarkt heute so dynamisch. In Indien ist es ähnlich; die Galerien haben dort kein System für den Kunstmarkt. Einen professionellen Kurator einzustellen, der die Künstler direkt kontaktiert, kann dazu führen, dass Galerien sich mit den Künstlern in Verbindung setzen, nachdem sie indische Kunst auf der KIAF gesehen, gefühlt und bewertet haben.

AfN: Herr Cheong, vielen Dank für das Interview.

Cheong: Danke.


Interview: Safia Dickersbach

(15.10.2008)

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