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KÜNSTLER GEGEN FOLGERECHT


Künstler gegen Folgerecht

NEUE EU-RICHTLINIE VERLETZT MENSCHENRECHTE DER KÜNSTLER



Wir, Künstlerinnen und Künstler, lehnen die EU-Richtlinie zur Harmonisierung des Folgerechts ab. Wir sind überzeugt, dass die Einführung des Folgerechts im Widerspruch zu den Interessen der betroffenen Künstler steht, sie in der
friedlichen Nutzung ihres Eigentums und ihrer Rechte einschränkt und primär politischen Zielsetzungen sowie den Funktionären und Anwälten der Verwertungsgesellschaften zugute kommt.


Künstler müssen das Recht haben, frei zu entscheiden, ob, wann, wo und wem gegenüber sie Ansprüche aus dem Folgerecht stellen oder nicht.


Des weiteren lehnen wir das Prinzip des Monopols von
Verwertungsgesellschaften in den europäischen Ländern ab. Monopole sind unvereinbar mit den Grundsätzen des freien Wettbewerbs in der Europäischen Union. Nur im Wettbewerb mit neuen, zukunftsorientierten Verwertungsagenturen, welche Künstlerinnen und Künstler weder bevormunden noch enteignen, sondern deren Anliegen zeitgemäss vertreten, wird
gewährleistet werden, dass die wahren Interessen der individuellen KünstlerInnen in Fragen des Urheberrechtes ausreichend sichergestellt sind.


Wir sind überzeugt, dass die gegenwärtige europäische Richtlinie - indem sie einerseits Künstler in bestimmten Bereichen zwingt, das Folgerecht, ohne Möglichkeit der freien Entscheidung, geltend zu machen, andererseits aber
Künstler daran hindert, es in anderen Bereichen zu beanspruchen - die Grundsätze der Menschenrechte von Künstlern verletzt.


Eduard Angeli   Christian Ludwig Attersee   Franz Blaas  

Hans Bischoffshausen/Nachlass   Eva Bodnar   Erwin Bohatsch   Arik Brauer  

Günter Brus   Gunter Damisch   Georg Eisler/Nachlass   Adolf Frohner  

Julie Hayward   Herbert Hinteregger   Hans Hollein   Alfred Hrdlicka  

Friedensreich Hundertwasser   Gudrun Kampl   Franco Kappl  

Herwig Kempinger   Peter Kogler   Hans Kupelwieser   Elke Krystufek  

Maria Lassnig   Markus Muntean   Ines Lombardi   Jürgen Messensee  

Rudi Molacek   Nicolaus Moser   Walter Obholzer   Gustav Peichl  

Walter Pichler   Markus Prachensky   Arnulf Rainer   Thomas Reinhold  

Franz Ringel   Gerwald Rockenschaub   Franz Rosei   Adi Rosenblum  

Hubert Scheibl   Alfons Schilling   Eva Schlegel   Rudolf Schönwald  

Peter Sengl   Michaela Spiegel   Rudi Stanzel   Hans Staudacher  

Johann Julian Taupe   Peter Weibel   Rainer Wölzl   Johanes Zechner  

Robert Zeppel-Sperl   Heimo Zobernig   Karel Appel   Georg Baselitz  

Jan Dibbets   Gotthard Graubner   Jörg Immendorff   Per Kirkeby  

Markus Lüpertz   Sigmar Polke   Madeleine Strobel   Jos van Vreeswijk  

Craigie Aitchison   Susannah Fiennes   Anthony Green RA   Phillip King  

Emma Sergeant   William Tillyer   Marc Vaux   Glynn


Williams    Anthony Caro   Paolo Piva   Martin Praska  


Sebastian Weissenbacher   David Hockney


Bemühungen, die wirtschaftliche Situation von Künstlern zu verbessern, sind willkommen und Vorschläge, Künstlern Anteile am künftigen Wiederverkauf ihrer Werke zu gewähren, begrüssenswert. Es muss aber mit Entschiedenheit
festgestellt werden, dass die gegenwärtige Richtlinie Künstlern eben jene Rechte verweigert, die sie vorgibt, ihnen zuzugestehen, und somit die Grundsätze der Menschenrechte mehrfach verletzt.

Die Richtlinie zur Harmonisierung des Folgerechts in Europa bestimmt, dass Künstlern ein unabdingbares und unverzichtbares Recht an einem Anteil des Erlöses jedes Wiederverkaufes ihrer Werke zustehen soll. Gleichzeitig legt
die Richtlinie willkürlich und ohne Rechtfertigung fest, dass Künstler von ihrem - angeblich unabdingbaren - Recht einen Anteil zu beanspruchen, in einer Vielzahl der Fälle von der Geltendmachung des Rechtes ausgeschlossen sind, nämlich:

a. Verkäufe von Privatpersonen an Privatpersonen
b. Verkäufe von Privatpersonen an Museen (bedeutende Sammlungen der Kunst
des 20. Jahrhunderts sind in der Vergangenheit von Privatpersonen an Museen
verkauft worden; es ist in diesen Fällen, dass häufig jene legendäre Wertsteigerung der Kunstwerke stattfindet, welche das ursprüngliche Motiv für die Entstehung des Folgerechts war).
c. Verkäufe durch Anwälte oder Treuhänder, welche Privatpersonen oder Wirtschaftsunternehmen vertreten.
d. Verkäufe durch kommerzielle Einrichtungen oder kulturelle Institutionen, welche nicht Kunstgalerien oder Auktionshäuser sind, aber Kunstwerke ausstellen und bewerben und in Zukunft diese auch anbieten und verkaufen könnten.

Aus diesem Grund verhindert die Richtlinie, dass viele europäische Künstler, deren Werke nicht in Kunstgalerien und Auktionshäusern verkauft werden, Ansprüche aus dem Folgerecht geltend machen können.

Im Gegensatz zu Schriftstellern und Komponisten, welche die freie Entscheidung und Verfügungsgewalt haben, ob und wie sie ihre Urheberrechte geltend machen, sollen Maler und Bildhauer genötigt werden, zwingend vorgeschriebene Prozentsätzen, welche in der EU-Richtlinie festgelegt sind,
zu beanspruchen. Daher widerspricht diese EU-Direktive dem
Gleichheitsprinzip der europäischen Rechtsordnungen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war Paris das Zentrum der Kunstwelt und Frankreichs Künstler von überragender Bedeutung. Heute hat die französische Kunstszene ihre Bedeutung eingebüsst. Das Zentrum des Kunstinteresses hat
sich nach New York verlagert, es folgte dem Markt.

Heute dominiert weltweit der amerikanische Kunstmarkt. Amerikanische Künstler erzielen höhere Preise für ihre Werke als ihre europäischen Kollegen. Als Folge der vorliegenden EU-Richtlinie würde sich dieser Trend verstärken, insbesondere, da amerikanische Künstler ihre Werke in Europa
ohne Zuschlag des Folgerechtes verkaufen können, während europäische Künstler entsprechend der Richtlinie "besteuert" werden würden.

Es bedarf keiner besonderen Phantasie, vorauszusehen, dass diese EU-Richtlinie verursachen würde, dass ein erheblicher Anteil der wichtigen Kunstverkäufe sich in die Vereinigten Staaten und der Schweiz verlagern
würde und den "übriggebliebenen" Markt in der europäischen Union das Stigma der geringeren Bedeutung anhaften würde. Das kann nicht im Interesse der Künstler sein.

Die gegenwärtige EU-Richtlinie nimmt die tatsächliche Situation nicht zur Kenntnis, die in den Ländern, welche das Folgerecht eingeführt haben, herrscht. Das stärkste Argument gegen die bestehende Praxis sind die Erfahrungen und die statistischen Daten, die in Deutschland gemacht wurden.
Von über 42.000 lebenden deutschen Künstlern haben 1998 insgesamt 7.454 ihre Ansprüche aus dem Folgerecht durch die Verwertungsgesellschaft BILD-KUNST geltend gemacht. Von diesen haben jedoch nur 274 eine Auszahlung erhalten.
In Wirklichkeit erzielen nur eine kleine Anzahl von prominenten Künstlern Erlöse (im Durchschnitt DM 1.861 - tatsächlich handelt es sich um einige wenige Künstler, die höhere Beträge bekommen, die meisten anderen viel
geringere). Insgesamt gingen mehr als 99% der deutschen Künstler leer aus, insbesondere jene Künstler, die wirtschaftlich weniger erfolgreich sind und denen das Folgerecht ursprünglich helfen wollte.

Auch wenn die schwerwiegendsten Fehler des gegenwärtigen Entwurfes - die Verletzung der Menschenrechte und die Missachtung des Gleichheitsgrundsatzes - behoben werden würden, wäre die europaweite Einführung des Folgerechts
verantwortungslos, ohne der Einbeziehung der Vereinigten Staaten und anderer nicht-EU-Länder wie der Schweiz in eine internationale Folgerechtsübereinkunft. Aus diesem Grund darf es keine Verkürzung der Frist zur Einführung geben, sondern muss die Einführung des Folgerechts in Europa
von einer internationalen Vereinbarung abhängig gemacht werden.

Die EU-Richtlinie ist das Resultat der Bemühungen einer einflussreichen Lobby europäischer Verwertungsagenturen, ihrer Bürokratien und ihrer Anwälte. Es ist auffällig, dass keine Beschränkungen der administrativen Kosten der Verwertungsgesellschaften vorgeschlagen werden - wie es notwendig wäre - noch auf die Problematik der Monopolstellung dieser Einrichtungen eingegangen wird. Diese bestehenden Monopole widersprechen dem grundsätzlichen liberalen Gedankengut der europäischen Union.

Mehrere Länder haben das Folgerecht in den vergangenen Jahren eingeführt, es rigoros angewandt mit dem Ergebnis, dass der Kunstmarkt in diesen Ländern erheblichen Schaden erlitten hat. Nun versuchen diese Länder, ihr Missgeschick mit anderen zu teilen den restlichen EU-Staaten dieses
unüberlegte Gesetz aufzubürden.

Der gegenwärtige Entwurf der EU-Richtlinie betreffend des Folgerechts ist ein Konglomerat einzelner Elemente der ursprünglich noblen Idee ihrer frühen Erfinder, der Ambitionen selbstsüchtiger Verwertungsgesellschaften, denen es um Einnahmen und Einfluss geht, und der Bemühungen weniger wohlmeinender Politiker, die unglücklicherweise weder den komplexen Charakter der Kunstwelt und ihres Marktes verstehen, noch den Wunsch der Künstler
begreifen, welche die Unabhängigkeit und Freiheit schätzen, Entscheidungen über ihr Eigentum und ihre Rechte selbst treffen zu wollen.

Die Konsequenzen dieser EU-Richtlinie würden unabsehbaren Schaden der sensiblen europäischen Kunstszene zufügen, die Existenz vieler Künstler gefährden und verletzt die Grundsätze der Menschenrechte der Künstler.


John Sailer, Opernring 21, A-1010 Wien, Tel. 00431-587 12 26, Fax 587 21 99,
E-mail: ulysses@via.at

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