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Shadows of the Bright - Interview mit Konstantin Schneider


Marek Claassen + Konstantin Schneider; (c) www.catonbed.de 2011

Dies ist ein Artfacts-Interview mit Konstantin Schneider, besser bekannt als Berliner Kunst-Kontakter, zur Ausstellung „Shadows of the Bright – 5 Jahre Berliner Kunst-Kontakter and Berlin art projects“. Die Ausstellung findet noch bis zum 17. April Unter den Linden 40, neben dem Café Einstein, statt.


Artfacts: Du hast eingangs erzählt, dass du aus der Werbebranche kommst, deshalb wollte ich fragen, ob aus deiner Sicht irgendein Zusammenhang zwischen Kunst und Werbung besteht und wie du das begreifst?


Konstantin Schneider: Ich fand das immer gut, dass es ein Buch gab namens „Werbung ist Kunst“, da ich das also immer sagen konnte, wenn jetzt ein Werber kam und Kunst bewerben wollte. Ich hab das Konzept ja quasi umgedreht, ich habe ja Werbung für Kunst gemacht. Allerdings hört sich das Wort „Werbung“ in meinem Künstlerohr nicht so gut an.


A:Da möchte ich einmal kurz unterbrechen. Bezogen darauf, dass du sagst dass du „Werbung für Kunst“ machst: Begreifst du dich als jemand, der neue Zielgruppen an Kunst heranführt?


K:Ja. Ich habe ja am Anfang immer gesagt, ich will die Hemmschwellen, in eine Galerie zu gehen absenken. Die meisten Bürger gehen zwar gerne ins Museum und Kunst boomt immer, aber in Galerien gehen sie dann doch nicht und wenn ich das jetzt mache, und man sieht, dass man zu Galerien immer hingehen kann und trotzdem immer dabei ist auch wenn eine Eröffnung ist und viele Menschen da sind, weil gute oder wichtige Kunst gezeigt wird, passiert das vielleicht.


A:Wieso gerade Galerien?


K:Weil es für mich selbst spannend war. Ich interessiere mich schon ewig lange für Kunst aber dadurch, dass ich dann nicht gleich selbst Künstler war, aber vielleicht bin ich das jetzt doch geworden in der Zeit, dass man eben doch mehr erfährt und das man eben ohne Kunstgeschichte zu studieren trotzdem genug über Kunst erfährt beziehungsweise gibt es da ja auch immer die große Diskrepanz. Dann hat jemand Kunstgeschichte studiert, aber Kunst entwickelt sich ja ständig weiter, was nützt dir da die Kunstgeschichte?! Insofern habe ich mich schon früh damit gebrüstet, dass ich die Geschichten um Kunst erzähle, die die Kunstgeschichte eventuell nicht erzählt.


A:Du hast gerade wieder etwas erzählt, was ich aufschnappen möchte, dass ist nämlich auch bei der Eröffnung des Öfteren gefallen. Du hast ja was gesagt von Künstler, und hier ist es ja so, dass wissen ja viele nicht, dass die Ausstellung stattfindet, weil die Berliner Künstler dir diese Ausstellung gewidmet haben. Sie haben dich als Kunstwerke dargestellt und die ganze Galerie ist voll davon. Die Künstler haben zu mir allerdings gesagt, dass sie gar nicht wussten, dass du Künstler bist. Was sagst du denn dazu?


K:Es ist ja offenbar so, dass es ihnen leichter war, dass zu erklären, indem sie mich auch als Künstler erklären, dass diese Kunstwerke hier existieren. Das hat auch etwas mit der Intimität zwischen Künstler und Künstler zu tun und es stimmt ja auch. Ich habe diese einfache Formel angewendet „Nachdem ich euch die ganze Zeit mit der Kamera begleitet habe, könnt ihr mal euren Blickauf mich richten“ und damit habe ich ja so was ausgelöst, was die Künstler ja auch ganz gut fanden.



Konstantin Schneider + Marek Claassen
(c) www.catonbed.de 2011


A:Ich habe E-Mails von Künstlern bekommen, die schreiben, dass sie stolz sind, hier dabei sein zu dürfen. Das war auch einer der Gründe, warum ich gesagt habe, ich muss hier jetzt unbedingt mal gucken kommen. Und es ist mir auch aufgefallen, wenn man auf die Eröffnung zurückblickt, beziehungsweise auf den Partyevent zu 5 Jahren Berliner Kunst-Kontakter: Das Publikum waren doch meistens Künstler, oder waren die Gäste quer durch die Kunstszene?


K:Das war für mich ein großes Rätsel. Denn viele Künstler, die mitgemacht haben, konnten ja nicht kommen, weil sie gar nicht in Berlin sind. Dann sind viele Künstler gekommen, die mit den teilnehmenden Künstlern befreundet sind. Und auch Galeristen und Sammler waren da, die eben schauen wollten wie sich das hier anlässt.
Es stand dabei die Frage im Raum ob ich jetzt auch Galerist werden wollen würde. Das ist allerdings nicht meine Absicht. Ich will natürlich trotzdem, nachdem ich nun vielleicht durch dieses Performanceoutfit Leute auch immer wieder dazu angehalten habe, mich nicht ernst zu nehmen, auch mal ernst genommen werden. Und ich denke, diese Ausstellung könnte das bewirken, weil man, meines Erachtens, dann an der Teilnehmerliste ablesen kann, dass ich alle Kunst-Milieus gestreift habe und auch nicht anhalte um bestimmte Kunstbereiche besonders zu protegieren. Natürlich war es schön, dass Peter Waibl, der ZKM-Leiter mitgemacht hat, der mich ja mal als Doktor K kennengelernt hat, in Karlsruhe, und sagt ich bin für die Residuen der Kunstkritik zuständig. Und das ist ein schönes Kompliment und ist es sowieso gewesen, dass ist schon länger her, und insofern: Ich war auf alles gefasst und es war trotzdem so, dass ich der Meinung war, dass dieser Abend eher sein muss wie ein Kunstspektakel und es darf nicht mit zwanghaften Erwartungen kommen, denn umso eher gelingt die positive Überraschung.


A:Die Überraschung ist dir auf jeden Fall gelungen. Ich glaube, dass hat niemand erwartet. Ist das jetzt der Anfang von einer Weiterentwicklung? Ist das jetzt der Weg aus dem Web und wieder mehr ins „echte Leben“?


K:Das ist mir selbst noch nicht so ganz klar. Ich habe erstmal hauptsächlich gesagt es wird Zeit, vielleicht anzufangen über Veränderungen nachzudenken, weil ich eben doch mit 5 Jahren ganz schön lange dabei bin. Als Kunst-Kontakter habe ich das Privileg genossen, rund um den Globus zu kommen. Ich hatte auch das Glück, dass ich mein Kunstinteresse mit Reisen und Messeplätzen, zum Beispiel in Asien, verbinden konnte. Ich durfte ja bereits in New York mit einer Ausstellung zeigen, was wir in Berlin so machen. Und das ist natürlich etwas, was jetzt eventuell auch von mir überdacht wird. Mache ich das so weiter?! Es gibt natürlich noch viele Destinationen wo ich hin möchte und das alles dann genauso verbinden möchte. Es geht jetzt eben darum, herauszufinden, wie hoch bleibt das Interesse auf dieser Internet-Fernseh-Ebene an der Kunst, oder machen es jetzt viele so und sagen „Nee, ich gehe jetzt nur noch dahin, wo es mich interessiert. Und das versuche ich natürlich immer festzustellen. Ich muss schon sagen, dass ich auch ein bisschen Rückgang an Besuchern hatte. Ich kann das auch immer noch nicht ganz beurteilen, ob es daran liegt, dass ich dann selber öfters weit weg bin und das, was dann in Berlin los ist, gerade nicht dokumentieren kann und das es eben aber halt hauptsächlich bei mir um Berlin gehen sollte, oder, oder, oder.


A:Also es ist schon eine Welt im Umbruch bei dir, oder?


K:Ja natürlich. Ich meine, ich habe das trotzdem als schön empfunden, dass mich das eventuell mit zweijähriger Verspätung erst so richtig erreicht, denn wie gesagt, 2009 war für viele schon ein schwieriges Jahr und wenn man dann eine Ausstellung in New York hat, dann ist das ja für Kunst-Kontakter, so wie ich aufgestellt war, alles eher gegen den Trend. Und andererseits bin ich mit dieser Ausstellung hier jetzt das Risiko eingegangen, dass sie jetzt mehr so einen Event-Charakter hat, den sie auch haben sollte, obwohl man ja von so etwas vermehrt weg möchte, habe ich das Gefühl, weil eben in den letzten 2 Jahren dieser ganze Glamour es eben nicht gebracht hat. Das ist auch für einen Galeristen, deswegen wollte ich vermutlich auch nicht unbedingt Galerist werden, weil man muss ja doch, um das alles zu ermöglichen, erstmal finanziell ganz schön in Vorleistung gehen, damit sich dann diese Menschen auch angezogen fühlen.


A:Aber hier bist du ja auch in Vorleistung gegangen, nämlich mit 5 Jahren Arbeit als Kunst-Kontakter. Dieser Glamour-Faktor hat sich hier, zumindest aus meiner Sicht, nicht eingestellt. Weil das halt auch echt ist. Das was hier passiert ist, ist ja irgendwo auch eine Herzensangelegenheit der Künstler, richtig?! Außerdem hatte ich das Gefühl, dass das glamouröse die letzten Jahre einen faden Beigeschmackhatte, welcher wiederum den Glamour etwas vereitelt hat und die Art, wie diese Veranstaltung hier statt gefunden hat, obwohl die Bilder letztlich zum Verkauf stehen, ja eigentlich einen nicht-kommerziellen Charakter hat.


K:Das unterschätzt du aber vielleicht. Man muss sich natürlich erstmal überlegen, wo fängt das kommerzielle Milieu an. Das ist ja zumindest einmal Werbung für die Künstler, hier an dieser Ausstellung teilgenommen zu haben egal ob etwas verkauft wird oder nicht, es ist ja nicht so, dass auf dem Markt automatisch Erfolg eingefahren werden kann. Aber sobald man es im Markt platziert, wäre es ja auch kommerziell, finde ich. Das ist eben genau diese Frage, die vermutlich auch die Galeristen beschäftigt, ob ich jetzt die Seiten gewechselt hätte. Ich sag einfach mal so: Für das was ich tue, brauche ich sicherlich auch Ressourcen und wenn der Künstler dann auch plötzlich was davon hat, dann ist das sicher noch besser.


A:Ja aber viele der Künstler hier sind ja über jeden Zweifel erhaben, die machen das ja weil sie wollen, und nicht weil sie müssen.


K:Es ist ja vielleicht auch das Wesentliche an unserer Ausstellung, dass ich mir eben auch die Freiheit genommen habe, irgendwie auch diese unterschiedlichen Kunst-Milieus quasi zusammenzubringen.


A:Ja und auch die Freiheit der wilden Interpretation weil, als Galerist würde man sich ja auch Gedanken darüber machen, ob eine kuratorische Ausstellung ein einheitliches Erscheinungsbild bringt, schematisch müssen die Leute auch in einer Liga spielen und hier ist es ja wirklich Kraut und Rüben. Und das hat so etwas Studio- Free Jazzmäßiges, was ich ziemlich toll finde. Das Unschuldige an so einer Ausstellung, oder wie siehst du das? Oder ist das eine Sache, die für dich als Werbetreibenden im Hintergrund, jede Unschuld verliert?


K:Also ich sag es mal so, man kann immer so und so viel steuern und so und so viel muss dann auch einfach geschehen dürfen. Sicherlich habe ich mich gefreut, dass man sagt „Unter den Linden, das ist eine Adresse“ und da muss immer alles very fine art sein, und wir das hier machen können und das wir vielleicht sogar hier schon die Zugangsschwelle senken, weil wenn man von der Straße herein kommt, wirkt das alles glaube ich sehr einladend auf die Leute. Sie haben nicht das Gefühl, hier müssten sie durch eine unsichtbare Schleuse durch.


A:Also sind wir mit dem Aspekt wieder am Anfang: Mehr Leute zu Kunst zu bringen.


K:Das ist mir sogar erst am Sonnabend aufgefallen, als ich dann das erste Mal, nachdem die Ausstellung eröffnet war, sitzen durfte und erlebt habe, wie die Leute herein kommen und wie sie sich bewegen. Und es kommen auch sehr viele, die jetzt gucken wollen, was hier los ist, die wirklich tief in der Kunstszene involviert sind. Und was ich mir auf jeden Fall erhofft habe, dass unter den ganzen Bildern plötzlich ein „Schlüsselbild“ auftaucht.

Andererseits könnte man sagen, das ganze ist wie du es gesagt hast „Kraut und Rüben“ oder eben Multi Level, weil die Künstler ja aus allen möglichen Richtungen kommen. Und das man dadurch diesen zeitgeschichtlichen Aspekt auch drin hat.


A:Die Ausstellung ist also quasi am Puls der Zeit. Das ist so das Motto für den Kunst-Kontakter im Netz mit der Kamera, wie du gesagt hast der „rasende Reporter“, und mit der Ausstellung mit Kunst von Street Art bis Peter Waibl ist alles dabei, quer durch die Bank von Skulptur bis Performance.


K:Thorsten Brinkmann war natürlich ganz super. Und man hat eben Arbeiten von Distil Markowicz, das ist ein logarithmischer Farbcode, was aber auch total auf mich bezogen ist. Das ist auch ein Portrait von Konstantin Schneider und wenn man das nicht weiß, denkt man vielleicht Richard Riley hätte das gemalt, deswegen legt der Künstler natürlich größten Wert darauf, dass er den Logarithmus für solche Portraits erfunden hat.


A:Und dieser Puls der Zeit der wird bei dir bleiben, oder?!


K:Wie gesagt, dass ist das was ich jetzt schauen muss. Es war auch eine anstrengende Zeit die letzten 5 Jahre und irgendwann muss man mal einen Gang zurückschalten und ich weiß halt nicht, was dann dadurch vielleicht passiert, weil das weiß man ja in der Kunstwelt auch nie. Sie wissen sie wollen oder müssen etwas ändern, auch nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ verfahren, wobei ich das ja als Architekturstudent immer gehasst habe. Man wird sehen. Ich meine, wenn man dieses Exklusive in der Kunst erhalten will, muss man jetzt natürlich wieder weniger machen. Andererseits sehe ich keine Anzeichen dafür, dass sich die Potentiale der Künstler erschöpfen. Das ist dann vielleicht mal eine Behauptung und jeder hat auch mal eine Kunstpause verdient aber danach geht’s ja weiter.


Vielen Dankfür das Interview, Konstantin.


Text: Anna Recknagel



Konstantin Schneider + Marek Claassen
(c) www.catonbed.de 2011


Bilder (shadow of the bright) des Kunstkontakters und seiner Ausstellung vom Aufbau, Eröffnung, Interview und vielen Künstlerportraits auf: www.catonbed.de webportal der Berliner Kunstszene.

www.berlinartprojects.de

(5.4.2011)

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